A growing organism

IT-bibliothekarische Kernkompetenzen

Posted in Berufsbild by Anne Christensen on 11. September 2010

In diesen letzten Wochen mit dem bisweilen ja etwas anstrengenden Website-Relaunch bin ich ein echter Fan einer Kollegin geworden, die ich jetzt mal Frauke nenne – und die es hoffentlich nicht total daneben findet, wenn ich ihr hier ein Loblied singe. Frauke ist Bibliothekarin und irgendwann mal von ihrer Abteilung als Beauftragte für die Website ernannt worden, was so eine Mischung aus HTML-Sekretariat und Web-Botschafterin ist. Quasi nebenberuflich, versteht sich, Website-Machen steht ja bei kaum einer Kollegin aus unserer Web-AG  in der Stellenbeschreibung, aber das ist ein anderes Kapitel.

Wie dem auch sei, worauf ich neben der Tatsache, dass Frauke ihren schwierigen Job ganz ausgezeichnet macht hinaus will ist Folgendes: Mir ist durch die Zusammenarbeit mit ihr noch mal klarer geworden, welche (Schlüssel-) Kompetenzen man für die Arbeit im oder nahe am IT-Bereich  braucht.  Deswegen und auch,  weil mir Studierende so oft sagen, dass sie ja gern später mal was mit Bücherei-Elektrik machen würden, hier eine kurze Liste mit eben diesen Kompetenzen – die Frauke natürlich allesamt ihr eigen nennen darf:

Flow zulassen: Es ist ziemlich charakteristisch für viele Aufgaben im IT-Bereich, dass sie sich am besten in einer Art Schaffensrausch erledigen lassen. Und der endet halt manchmal nicht im Gleitzeitrahmen. Natürlich liegt es mir fern, ein grundsätzliche Bereitschaft zu Heimarbeit und endlosen Überstunden einzufordern. Aber die meisten, die ich kenne, machen so etwas von Zeit zu Zeit. Unter anderem bestimmt deswegen, weil Flow auch Spaß bedeutet.
Sich durchbeißen: Das Ergebnis von ein-zwei Tagen einfach wegwerfen  – das erleben viele KollegInnen als Ärgernis, wenn nicht gar als fachliches oder gar persönliches Scheitern. Ist aber eigentlich eine Chance, denn das sind die Momente, in denen man am meisten lernt. Man muss diese Momente also regelrecht willkommen heißen – und halt versuchen, in neuen Flow zu kommen.
Fachliche Weiterentwicklung in die eigene Hand nehmen: Es gibt wenig bis keine formale Aus- und Fortbildung für das, was IT-BibliothekarInnen machen.  Bedeutet: Man muss Dinge auf eigene Faust ausprobieren. Und sich wenn man nicht weiter weiß Rat holen – was aber oft dann schwierig ist, wenn man niemanden zum Fragen in der Nähe hat, sondern per Mail auf einzelne oder Gruppen von ExpertInnen zugehen muss. Das fällt meiner Erfahrung nach insbesondere vielen Kolleginnen schwer, aber deswegen zu schweigen ist keine Lösung. Bei blöden Antworten Ignoranz, bei keinen Antworten Mut zur Neuformulierung zeigen.
Unsicherheit aushalten: Das, was BibliothekarInnen auf der einen und EntwicklerInnen auf der anderen Seite für wichtig halten, unterscheidet sich ziemlich oft. Was die eine Seite an Anforderungen erschöpfend erklärt zu haben glaubt, lässt die andere Seite mit einem Dutzend Fragezeichen im Gesicht zurück.  Davon darf man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, sondern muss das als Gelegenheit wahrnehmen, mehr über interdisziplinäres Kommunizieren und Arbeiten im Allgemeinen und Software-Entwicklung oder -Parametrisierung im Besonderen zu lernen.
Sich was (zu-)trauen: Bibliothek 2.0-Vordenker Michael Stephens zitierte neulich den schönen Satz “It is sometimes easier to seek forgiveness than to gain permission”. Wenn man von einer Idee überzeugt ist und in der Lage ist, die Idee umzusetzen, kann es mitunter richtig sein, das in leicht subversiver Manier auch zu tun. Dann kann man dem Chef was zeigen und eine einmal entwickelte Lösung wird so schnell nicht gekippt. Dieser Punkt gilt auch für die jungen KollegInnen, die so gern mal “was 2.0-iges” ausprobieren würden, sich aber den einschlägigen Diskussionen auf dem Dienstweg nicht so recht gewachsen fühlen. Ich würde denken, dass sich so manche Vorgesetzte in bestimmten Bereichen auf diese Art “managen” lassen -wobei man natürlich auch hier die richtige Balance zwischen eigenständigem Handeln und der Rückkopplung von Entscheidungen mit der Leitungsebene finden muss.

Natürlich sind alle diese Kompetenzen auch dann von Nutze, wenn man nicht im IT-Bereich arbeitet. Denn  – glücklicherweise – werden die Stellen heute in fast allen bibliothekarischen Bereichen  mit einem mehr oder weniger starken IT-Bezug ausgeschrieben. Was hoffentlich bewirkt, dass Fachabteilungen künftig viele Aufgaben hinsichtlich der Präsentation ihrer Daten und Dienste im Web noch viel stärker selbst in die Hand nehmen.

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Eine Antwort

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  1. [...] Auch andere Arbeitstechniken werden sich dort entwickeln. Annes Vorschlag, ein entsprechendes Zusatz-Zertifikat für IT-bibliothekarische Kernkompetenzen kann hier eine Dringlichkeit deutlich machen. Wer weiß, wie etwas funktioniert und warum es so [...]


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