A growing organism

Über demografischen Wandel in Bibliotheken- und, natürlich, auch ein bisschen über Discovery

Posted in Berufsbild, Kataloge et. al. by Anne Christensen on 11. Januar 2014

In den Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist kürzlich ein Band erschienen, der sich mit der Motivation von MitarbeiterInnen in wissenschaftlichen Bibliotheken beschäftigt. Zu den entsprechenden Möglichkeiten für Führungskräfte gibt es wenig Neues zu sagen, wie Autor Stefan Wiederkehr selbst feststellt – die Handlungsspielräume sind eng, viel mehr als das Erkennen und Reagieren auf individuelle Motivatoren und eine generelle Fürsorglichkeit zur Beförderung des Betriebsklimas sind nicht drin. 

Was die Arbeit besonders interessant macht sind die Zahlen, die Wiederkehr erhoben hat. An sich auch wenig überraschend, aber nun n Zahlen für unsere Branche belegt: Die Altersstruktur in Bibliotheken hat sich in den vergangenen 10 Jahren stark verändert: Der Anteil von über 50-Jährigen ist von 31 auf 43% gestiegen, der von unter 25-Jährigen von 19 auf 14% gesunken. Noch drastischer sieht es aus, wenn man nur auf die Gruppe der AkademikerInnen schaut, da ist der Anteil der über 50-Jährigen von 26,9 auf 42,7% gestiegen.

Warum ich das erwähnenswert finde? Unter anderem im Zusammenhang mit dem Eindruck, dass sich immer weniger KollegInnen für Führungspositionen finden lassen. Ich wundere mich darüber, dass auch große Bibliotheken in attraktiven Städten für ihre A11-Stellenausschreibungen Bewerbungsfristen verlängern müssen, wie man unlängst auf InetBib beobachten konnte. Ich nehme an, dass es an BewerberInnen mit relevanter Führungserfahrung gefehlt haben wird – und schließe daraus, dass zur Vermeidung dieses Personalmangels geboten ist, den jungen KollegInnen Gelegenheit zu geben, zum Beispiel im Rahmen von Projekten Führungserfahrungen zu sammeln. Auf der ALA-Konferenz in Chicago, die ich im vergangenen Jahr besucht habe, wurde sich gleich mehrere Vorträge mit der gezielten Förderung der jüngeren Generation von Bibliotheksbeschäftigten auseinandergesetzt – vielleicht sollten wir das hierzulande auch einmal tun? Es wird viel auf alternsgerechtes Arbeiten geschaut, aber die gezielte Entwicklung der jungen Generation ist die andere Seite der Medaille.

Dass sich die Investition in die jüngere Generation lohnt, zeigt eine weitere Zahl: In den letzten 10 Jahren ist der Gesamtanteil der Bibliotheksbeschäftigten in allen drei Statusgruppen in etwa gleich geblieben – eher sogar gestiegen als gesunken. “Eat that, Kathrin Passig!” möchte man rufen, wenn man nicht noch ein paar Brocken aus dem Daseinsberechtigungs-Entziehungs-Versuch aus dem letzten Herbst im Halse stecken hätte.

Mir ist bei dem viel diskutierten Aufsatz aber nicht nur wegen der anderswo kritisierten Punkte schlecht geworden, sondern zugegebenermaßen auch deshalb, weil ich auch applaudieren wollte – und zwar dort, wo uns geweissagt wurde, dass bibliothekarische Angebote in der Bedeutungslosigkeit verschwinden werden, weil die Hürden für ihre Benutzung zu hoch sind.

Seither geht mir das Bild von der Lessing’schen Ringparabel nicht aus dem Kopf, wenn ich an die drei Bereiche denke, die wir alle gern als lebensrettend bzw. identitätsstiftend für Bibliothek und Berufsstand heranführen:

  • Informationskompetenz
  • Lernräume und Neubauten mit Wow-Effekt
  • Discovery-Systeme und Digitalisierung

Ob sich wohl eines der Themen langfristig als das echte, das lebensrettende herausstellen wird? Mit welchen Diensten schaffen wir es, eine unverzichtbare Verbesserung für unsere NutzerInnen zu schaffen – ganz im Sinne des im Twitterversum begeistert zitierten Satzes von R.D. LankesWe don’t save libraries by saying “look how important we are,” we save them by being important. 

Trotz einer erwachenden Bau-Zuneigung und unverbrüchlicher IK-Verbundenheit ist mein liebstes doch das Discovery-Thema – und es wurde schon mehrfach totgesagt (u.a. hier oder hier). Aber der Dortmunder Kollege Hans-Georg Becker hat meinem eigenen, bisweilen schwindenden Mut auf die Sprünge geholfen, als er im Rahmen eines Summon-Anwendertreffens sagte:  “Discovery-Systeme sind eine alternativlose Brückentechnologie auf dem Weg der Bibliotheken ins Web.” Ja, das Entdecken von Literatur findet meistenteils jenseits von Bibliothekskatalogen statt – aber beim Einsatz von Discovery-Systemen lernt man was es bedeutet, die eigenen Daten in anderen Kontexten nutzbar zu machen – und damit die eigene Bibliothek irgendwann für irgendwen wichtig zu machen, um bei der Effektivitätsmessung nach Lankes zu bleiben.

Und schließlich muss man dem Thema vielleicht auch einfach mehr Zeit geben. Jakob Voß verglich den Effekt des Webs auf die gesamte Informationswissenschaft kürzlich mit dem Sputnik-Schock – und ich finde, er hat da nicht zu hoch gegriffen, eher noch im Gegenteil. Die berühmte Schock-Starre erkennt man noch an den vielerorts im Einsatz befindlichen Web-OPACs mit Design im Look von 1998. Aber wer weiß, vielleicht haben am Ende doch die Recht, die an 1998 festhalten und erst wieder auftauchen, wenn Bibliothekskataloge ausgestorben sind und ein paar kommerzielle Dokumentlieferdienste in Kooperation mit ausgewählten Großeinrichtung für Literaturnachweis und -lieferung sorgen? Was solche Fragen angeht, freue ich mich schon auf die Vogel-Perspektive der Lehre: Ab März werde ich mit deutschen und ausländischen Studierenden an der HAW Hamburg den Weg “From library catalogs to discovery interfaces” nachvollziehen und über etwaige Erkenntniszuwächse berichten.

About these ads

9 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Till said, on 13. Januar 2014 at 4:52 nachmittags

    Der Sputnik-Schock führte aber doch gerade nicht zu Schock-Starre, sondern zu massivem Handeln. Sputnik 1 war 1957, die “Geschockten” flogen 1969 zum Mond. So starr konnte man also nicht gewesen sein…
    Das Handeln hatte u,a, auch zur Folge, dass man eine “moderne Informationswissenschaft” auf den Weg brachte, so erzählte man mir das zumindest in meinem Grundstudium: http://is.uni-sb.de/studium/handbuch/exkurs1
    Von dieser “modernen Informationswissenschaft” ist in Deutschland heute (institutionalisiert) praktisch nichts mehr übrig, sie konnte sich nicht etablieren. Vielleicht hat sie sich auch überlebt, weil ihr Gegenstand (“Information”) und die darauf aufbauende Theorie und Betrachtung von Informationssystemen mittlerweile Teil vieler anderer Disziplinen geworden ist? Trotzdem schade…
    Denn ich habe sie in den 1990er Jahren so kennengelernt, dass sie nicht vor dem Web erstarrte, sondern im Gegenteil ganz kreativ und aktiv darüber und damit forschte und arbeitete.

    Es stimmt allerdings, dass es den Eindruck von Starre (aus welchem Grund auch immer, ich bin ja nicht sicher, ob der “Schock” überhaupt schon angekommen ist) macht, wenn Bibliotheken nach 20 Jahren “Web” (plus allerlei vorangegangenen Hypertext-Systemen) immer nicht verstanden haben, dass “Links” mindestens so wichtig wie “Knoten” sind. Wenn die aktuell gekauften Discovery Systeme also dazu dienen, dass man kapiert, dass der “Content” (“Daten”) mühsam, teuer und fehlerträchtig in andere “Kontexte” bewegt werden kann und dann da auch nicht richtig gut funktioniert, dauert es dann nochmal 20 bis 30 Jahre, bis man merkt, wie toll Links sind?

    • Anne Christensen said, on 14. Januar 2014 at 2:47 nachmittags

      Man liest halt, was man lesen will – in meinem Fall war die Assoziation zu Jakobs Tweet ganz klar das relativ langsame Hinzubewegen von Bibliotheken auf das Web in Reaktion auf die Bedrohung, die teilweise subjektiv empfunden und mitunter von außerhalb des Bibliothekswesens an uns herangetragen wird. Von der Dynamik in der “modernen Informationswissenschaft” weiß ich zu wenig, und konkrete Ergebnisse für die praktische Arbeit in Bibliotheken hat es hier nicht gegeben. Discovery-Systeme sind eine Krücke, die sehr gut aufzeigen, wie viel besser es mit Links gehen würde – siehe fehlende Normdatenintegration in den meisten Systemen. Ich sehe aber leider keine wirkliche Alternative zu Discovery-Systemen im Sinne von Linked Open Data, wohl aber die Chance, unsere Anforderungen daran besser zu formulieren und über Nützliches, Überflüssiges und Fehlendes in den gängigen Metadaten-Sets aus Bibliotheken nachzudenken. Ich persönlich kann jedenfalls immer nur wiederholen, dass ich Discovery als Phase gebraucht habe und immer noch brauche, um mir eine Zukunft für Daten aus Bibliotheken vorzustellen. Mir fehlt da wahrscheinlich einfach der inspirierende informationswissenschaftliche Input aus den 1990er-Jahren, als ich eher mit dem Erlernen von Regeln für die alphabetische Katalogisierung beschäftigt war.

  2. Bibliotheksnutzerin said, on 14. Januar 2014 at 1:48 nachmittags

    Ich habe die Arbeit von Wiederkehr im Schnelldurchlauf gelesen und finde es bemerkenswert, dass der Autor auf eigene empirische Untersuchungen verzichtet und sich stattdessen auf “Erfahrungswissen” beruft, um dann im Schluss der Arbeit festzustellen, dass man eigentlich sehr wenig über das Bibliothekspersonal weiß.
    Die Zahlen zur Alterstruktur sind nicht von ihm und beziehen sich nicht nur auf Bibliotheken, sondern auch Archive und Museen. Für die Aussage, dass der Anteil der unter 25-Jährigen gesunken sei, wie Du schreibst, konnte ich in seiner Arbeit keinen Beleg finden.

    • Anne Christensen said, on 14. Januar 2014 at 2:34 nachmittags

      Dass sich die Zahlen nicht nur auf Bibliothekspersonal, sondern auch MitarbeiterInnen in Archiven und Museen beziehen, ist richtig. Ich beziehe mich hier konkret auf die Seiten 39-41 der Arbeit und danke für den einschränkenden Hinweis.

  3. Joachim Kreische said, on 21. Januar 2014 at 2:04 nachmittags

    Den Zusammenhang, dass ein Anstieg des Bibliothekspersonals gegen die These von Passig spricht, dass nach dem Wegfall des Informationsmonopols nicht mehr viel von den darauf noch fixierten Bibliotheken bleiben wird, solltest Du noch mal erläutern.
    By the way: Ist das wirklich belegbar? Ich habe in der DBS gerade mal den Personalstand, der in die DBS meldenden UBs, für 2002 und 2012 verglichen. In der Summe ein Minus von 422 Stellen und da sind noch ein paar zweischichtige UBs dabei, die einen enormen Personalaufwuchs hatten, weil ihnen das Personal der Faktultätsbibliotheken zugewiesen wurde.

    Auch Deine These, dass junge BerufkollegInnen keine Führungspositionen mehr anstreben, kann ich so nicht bestätigen. Ich nehme eher wahr, dass die jungen Generation (glücklicherweise) eher selbstbewusst Gestaltungsraum einfordert und sich nicht mehr erfurchtsvoll den Strukturen des öffentlichen Dienstes unterordnet. Ich bin mir sicher, dass jungen KollegInnen heute früher an spannende und verantwortungsvolle Aufgaben kommen, als dies früher mal war. Da wurden Führungspositionen einfach nach Senioritätsprinzip vergeben und gut.

    • Anne Christensen said, on 21. Januar 2014 at 5:43 nachmittags

      Meine These sollte gewesen sein: Offensichtlich schaffen es Bibliotheken trotz Zweifeln an ihrer Daseinsberechtigung, ihren Stellenkegel zu halten. Kathrin Passig ist ja nicht die Erste, die hinterfragt, warum es uns noch geben sollte. Und da man seit der EDV-Einführung in den 1970er-Jahren immer wieder von tollen Einsparpotenzialen spricht, finde ich es auffällig, dass sich zumindest in den letzten zehn Jahren zunächst nicht viel getan zu haben scheint: Wenn man sich die DBS von 1999-2011 anguckt, bleiben die Zahlen sowohl im ÖB- als auch im WB-Bereich in etwa gleich, bloß bei den WBs ging es 2012 signifikant bergab, von 10.600 auf 9.600. Einen möglichen Grund dafür lieferst du ja, Joachim.

      Was mich interessieren würde wäre, ob und wie sich die Anzahl der freien Stellen verändert hat. Auf der Suche danach bin ich auf dem DBV-Bibliotheksportal auf ein paar Verbleibstudien gestoßen, die zeigen, dass sich der Antei der arbeitslosen Bibliothekarinnen sich relativ konstant zwischen 8-12% zu bewegen scheint (Nur schnelle Analyse meinerseits, bitte nicht drauf festnageln).

      Die DBS weiß aber nichts über die Verteilung der Stelleninhaberinnen und -inhaber auf unterschiedliche Alterskohorten zu berichten. Das ist meiner Ansicht nach das besonders Interessante an der Arbeit von Stefan Wiederkehr – auch wenn die Zahlen, die er anführt, deswegen ungenau sind, weil sie sich nicht nur auf den Bibliotheks-, sondern auch auf den Archiv- und Museumsbereich beziehen, wie eine vorherige Kommentatorin schon richtig angemerkt hat. Wenn man trotzdem bereit ist, die Zahlen als Anhaltspunkt zu akzeptieren, dann ergibt sich daraus für Bibliotheken Handlungsbedarf bei der Personalentwicklung.

      Die selbstbewusste Haltung der jungen Kolleginnen und Kollegen finde ich sehr begrüßenswert, und ich erlebe sie vielfach selbst und das macht mich sehr froh – ebenso wie die Einforderung von Partizipation bei Entscheidungsprozessen und überhaupt moderneren Führungsstilen. Es lag und liegt mir also fern, der jüngeren Generation einen Vorwurf zu machen – vielmehr aber (oh Graus, ich sag’s mal so) uns Älteren. Denn es ist unsere Verantwortung, der selbstbewusst nach Gestaltungsmöglichkeiten rufenden Truppe solche Aufgaben zu geben, mit denen sie bewerbungs-relevante Führungserfahrungen sammeln. Denn ich habe auch nicht gemeint, dass sich niemand eine A11-Stelle zutraut, sondern dass den Entscheiderinnen und Entscheidern über die Vergabe solcher Stellen handfeste Führungs-Erfahrungen wichtig zu sein scheinen. Und die kann eben nur sammeln, wer den Gestaltungsspielraum auch zugestanden bekommt und beim Ausfüllen desselben in Richtung Führung geleitet oder begleitet wird – auf dass die Führungspositionen jetzt und dereinst eben nicht unbesetzt bleiben müssen.

  4. Dale said, on 10. Februar 2014 at 11:49 nachmittags

    Wie schon so oft mit deinen Beiträgen, Anne, gibt es auch hier eine Menge Denkstoff zu bearbeiten. Einerseits könnte man seitenlang die Lage der Nachwuchsförderung auch auf diesem Kontinent analysieren, aber es bleibt absolut unverkennbar, dass hierzulande viele Führungsstellen, auch hier in attraktiven Orten, lange ihre Kandidatinnen suchen müssen. Der schon ewig prognostizierte Generationswechsel in der Führungsebene findet zwar statt, aber zu einem Tempo, das einen Gletscher recht hasenartig erscheinen ließe. Es gibt doch gute Impulse, diesen Trend zu beschleunigen, also hier wären Institute wie Leading Change (ehemals Frye) und Research Libraries Leadership Fellows zu nennen, aber davon gibt es einfach zu wenig, wenn man die Zahl der Bibliotheken und der damit verbundenen Stellen in Nordamerika bedenkt.
    Ich würde gerne mehr zu Deiner erwachenden Bau-Zuneigung lesen, aber bzgl. der unverbrüchlichen IK-Verbundenheit kann ich nicht mitkommen. Bis vor wenigen Jahren hätte ich mich selber auch so bezeichnet, aber nicht mehr. Mittlerweile empfinde ich IK als die Säule, die am ehesten wackelt, denn die Predigt will keiner mehr hören. In dem Band, wo auch Du einen Beitrag geliefert hast (Catalogue 2.0), hat irgendeiner (Lukas Koster, vielleicht?) den schönen Satz paraphrasiert, der ungefähr so läuft: we make interfaces to obfuscate users, then teach them how to use them to unobfuscate them. Seit Jahren wissen wir das, machen aber wenig Fortschritt, tüfteln also ungestört weiter an dem Lernstoff für die IK-Veranstaltungen. Ich bediene mich hier einer Polemik, die mir selber nicht ganz geheuer ist, denn ich habe noch eine empfindliche Stelle, was “teaching people to fish” betrifft. Bin ja schließlich Bibliothekar.
    Mit dem Sputnik-Schock hast Du einen geeigneten Vergleich getroffen. Wie Till schreibt, führte der Schock zu massivem Handeln, aber gerade hier müsste man fragen, ob das Handeln das richtige war. Ja, wir Amerikaner haben Neil & Co. zum Monde geschossen (übrigens: danke, Till, dass hier nicht von irgendwelchen Verschwörungstheorien gesprochen wurde!), aber wozu? Es hat Milliarden gekostet und von anderen schwerwiegenderen Problemen nur abgelenkt. Wir hätten lieber andere Probleme gelöst, die der ganzen Gesellschaft etwas gebracht hätten. Du hast aber Recht, Anne, mit Deiner Analyse: mit der Schock-Starre ringen wir in Bibliotheken immer noch, auch wenn wir längst hätten erkennen müssen, dass der Kampf nichts bringt. Lieber ganz neue Wege gehen, neue Nutzenversprechen zum Tisch bringen.

    • Anne Christensen said, on 11. Februar 2014 at 2:57 nachmittags

      Ach, die Informationskompetenz…. Meine Zuneigung ist zwar wahrscheinlich wirklich unverbrüchlich, seitdem ich Ende der 1990er Jahre noch als Studentin Schulungen für die “First Search”-Datenbanken von OCLC gemacht und dabei so viel gelernt habe, dass ich heute noch davon profitiere (es kamen im wesentlichen Bibliothekarinnen, und das Interface änderte sich wöchentlich). Nichtsdestoweniger ist es eine sehr schwierige Liebe! Und zwar unter anderem wegen des von dir angesprochenen Phänomens, Dale: Wir entwickeln Interfaces, die eben nicht selbsterklärend sind, um dann ein “Informationskompetenz-Vermittlungs-Konzept” darüber zu legen. Dazu hatte ich vor einiger Zeit schon mal hier rumphilosophiert, und zwar in Bezug auf einen über 20 Jahre alten Aufsatz von Michael Gorman.

      Aus der Zeit, in der ich selbst an der Entwicklung eines Discovery-Tools beteiligt war, weiß ich aber, wie schwierig es ist, Prinzipien von Usability und Einfachheit auf die Informationssuche zu übertragen. Die dafür notwendigen Vereinfachungen, zum Beispiel von Metadaten, einer Differenzierung in “gute” und “schlechte” Verlage für einen Ranking-Algorithmus, haben viele Vorteile, aber wird daraus dann nicht eine Bevormundung, die dann wieder ähnlich schlimm ist als die leidige Predigt? Ich weiß es nicht, aber Schock-Starre ist eben auch keine Lösung.

      Danke fürs Feedback, Dale! Das Bau-Thema verarbeite ich dann bei nächster Gelegenheit einmal.

  5. Rebecca said, on 7. Mai 2014 at 8:48 vormittags

    Vielen Dank für diesen Blogeintrag! an den Autor @Christensen, wie die Kommentatoren @Kreische. Ich kann den Aussagen über “die junge Generation” nur zustimmen. 1. Ja, sie wollen Verantwortung übernehmen und sind bereit sich entsprechend zu engagieren. 2. In Stellen, die die Möglichkeit bieten bewerbungs-relevante Führungserfahrungen sammeln hineinzukommen ist sehr schwierig (meist soll man schon Führungserfahrung mitbringen). Selbst wenn die Stellen im höheren Dienst ausgeschrieben sind und das Tätigkeitsprofil “Verantwortung” zuließe, schränken Vorgesetzte den Handlungsspielraum mitunter extrem ein. Nach mehreren Jahren Berufserfahrung und einschlägigen Kenntnissen im IT- und Managementbereich, die in der Stellenausschreibung gefordert wurden, muß man sich die Erlaubnis für das Einräumen von Regalen holen und der Chef überwacht jede einzelne Tätigkeit bis ins Detail und gibt die Arbeitsschritte vor ;o( (auch wenn er gar nicht weiß, was man da eigentlich machen muss). Letztendlich bewertet er die Arbeit und schreibt das Arbeitszeugnis.
    Hinzukommen zwei Erfahrungen meinerseits und meiner Kollegen, die mir wichtig scheinen: 1. Die Seniorführungskraft, sollte in der Lage sein Entscheidungen für die sie nicht kompetent ist z.B. IT-Sektor abzugeben, und Handlungsspielräume in kooperativer Zusammenarbeit zu eröffnen. Kurz: Man sollte genau wissen als Führungskraft, in welchem Sektor man kompetent ist, und in welchem nicht, und dies als Chance verstehen. Mitunter wissen diese “Semiors” nur aus dem Fernsehen von neuen Medien oder IT -Entwicklungen, lehnen aber deren Benutzung und deren Knowhow als stümperhafte Improvisationen, Gefahr, Nichts Richtiges, Modeerscheinung ab und bilden sich selbst keine Meinung indem sie sich mit dem Medien oder Arbeitsweisen auseinandersetzen. Unsere Bibliotheksbenutzer, werden als Nutzer der Medien / Technologien und mit Ihren Erwartungshaltung gegenüber dem Service einer Bibliothek dadurch auch als inkompetent abqualifiziert. Der Umgang mit Projekten oder Ideen ist zum Teil problematisch: gerade in Deutschland ist nur ein erfolgreich beendetes Projekt akzeptabel. Ideen aufzugreifen vielleicht einen Probestart zu machen, ist nicht gewünscht. Auch diskutierte Ideen / Projekte, die nciht umzusetzen sind, bieten die Möglichkeit zu lernen und voranzukommen. Doch gerade der Umgang mit Schnellebigkeit und Flexibilität scheint mir hier bei Seniorführungskräften häufig ein Problem. Könnte die Ursache in der Ausbildung, dem beruflichen Werdegang, den Rekrutierungsmechanismen der älteren Generation liegen, die sie auf die jüngere übertragen?
    2. Bei der Einstellung von Personal werden nicht nur Führungserfahrungen gefordert, sondern auch ein stringenter Lebenslauf mit langen oder nahtlosen Anstellungsverhältnissen, als Beweis für die Integrität der Person. Möchte man sich verändert, wird der Veränderungswunsch sogleich als Mangel betrachtet. Breite Erfahrungen sind nicht erwünscht. Man sucht ein häufig Ebenbild nach seinem eigenen Muster (vielleicht aus einer Zeit in der die Senioren noch glatte Karrieren vorprogrammieren konnten). Die Anforderungen im Bibliothekswesen und der Berufsweg haben sich jedoch deutlich verändert. Anstellung in Projekten und der Wechsel oder die Erweiterung der Qualifikation werden häufig als Zeichen gesehen sich nicht auf dem Markt durchsetzen zu können. Dabei ist es weder zeitgemäß, noch wünschenswert, wenn die Stringentität mit einem geringeren Erfahrungswissen einhergeht.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 26 Followern an

%d Bloggern gefällt das: