A growing organism

Feng Shui beim Website-Relaunch

Posted in Websites by Anne Christensen on 16. August 2010

Der Andi von der BSB-IT twitterte mir letzthin aus dem Herzen mit seinem Verweis auf diese lustige  Darstellung eines Sucen und Finden auf Websitestraurigen Phänomens: Das, was was Betreiber von Universitäts-Websites für relevant halten, ist fast nie das, was ihre Kundschaft dort sucht.  Hinter den Kulissen von http://www.sub.uni-hamburg.de werkele ich derzeit am Relaunch der Site und was soll ich sagen? Der Comic geht mir nicht aus dem Kopf.

Die neue Website möge mehr Werkzeug als Visitenkarte sein, so der Konsens bei Beginn der Planungen für diesen  Relaunch. In Funktionalität übersetzt bedeutet das in unserem Fall: Suchschlitz für den Katalog auf die Einstiegsseite, DBIS und EZB per XML-Schnittstelle integrieren (Best Practice: USB Köln)  und so ein paar Klicks in Richtung Regensburg sparen.  Das macht ein wenig, aber nicht atemberaubend viel Mühe und lässt sich wunderbar auch mit Zahlen rechtfertigen: Eine Millionen Seitenaufrufe verzeichnet unsere Website durchschnittlich im Monat, Katalog plus DBIS/EZB kommen mit direkten Aufrufen nochmal auf ebenso viel, also freut sich in Zukunft nicht nur die Nutzerin, sondern auch noch die BIX-Daten-Sammlerin, da mehr Traffic auf der eigenen Seite zu erwarten ist.

So weit, so gut. Was aber mit den vielen, vielen Informationen, die quasi ungenutzt im alten Content-Management-System vegetieren und jetzt zur Migration auf meinem ToDo-Zettel stehen? Können die weg-fengshuit werden, nach dem Motto „Jeder Umzug eine Chance“? Ich sehe da zwei Gruppen von ungenutzten Inhalten auf Bibliotheks-Websites, und zwar ab jetzt ganz allgemein:

  • Das Kleingedruckte, also solche Inhalte, die zur Absicherung gegen erzürnte NutzerInnen dienen (Langanleitung zur Verbundübergreifenden Fernleihe mit Erläuterung fast aller Eventualitäten – und Sie wissen, was das bedeutet)
  • Die Schätze im Mauerblümchengewand: Neuerwerbungslisten, Auswahlbibliographien, ausführliche Beschreibungen von einmaligen Kollektionen oder Einzelwerken

Das Kleingedruckte könnte doch weg, oder? Die TIB/UB Hannover, wo ich ja auch gerne abgucke, ließ selbst mir als begeisterter Ausmisterin die Kinnlade runterfallen: Eine einzige Seite für Aus- und Fernleihe. Nix Kleingedrucktes, die Informationsabteilungen beraten Sie vor Ort. Ganz schön cool!

Und die Schätze? Auf jeden Fall raus aus dem PDF-Korsett, und am besten rein in den Katalog (Neuerwerbungs- und Auswahllisten) oder in ein Blog. Das ist nämlich im Falle der Stabi-Website das mit Abstand am meisten genutzte Angebot hinter Katalog und E-Medien.  Für viele Selbstdarstellungs-Informationeng sind Blogs meiner Ansicht auch auch ein guter Ort. Die Seite über Kunstwerke in der Bibliothek wird faktisch niemals aufgerufen – eine nette Geschichte zu dem Bild von Ida Dehmel im Altbau wahrscheinlich eher. Aber ich höre schon die Einwände: Wann soll einem so was in der gebotenen Schmissigkeit flüssig aus der Feder fließen?

Mitunter frage ich mich allerdings, ob die informationsarchitektonische Kompliziertheit mancher Bibliotheks-Websites auch pure Absicht ist, um nicht oder nur von der zähen Klientel, die sich bis in die letzte Ecke der Website durchklickt, gefunden zu werden. In diesem Fall könnte man aber auch gleich erwägen, die speziellen Lesesäle für die Sondermaterialien mittelfristig dicht zu machen und zu Lernorten umzufunktionieren: Die zähe Durchklicker-Klientel wird jedenfalls immer kleiner, und wenn keiner mehr von den Schätzen weiß, kommt halt auch irgendwann keiner mehr, für den man Platz und Benutzungsdienste vorhalten sollte. Aber das ist dann wohl schon wieder ein anderes Kapitel.

5 Antworten

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  1. Ralf said, on 16. August 2010 at 9:59 pm

    Ich würde die Schätze auch tief irgendwo in der Website vergraben. Für diejenigen die es WIRKLICH suchen. Am besten wäre dann wenn sie kontextbezogen zu bestimmten Suchanfragen bzw. bei verwandten (was auch immer das heißen mag) Einträgen als Empfehlung angezeigt würden.
    PDF ist m.E. tatsächlich meistens unnötig. Blog finde ich auch super.

    Du machst das schon. Danke auf jeden Fall für die Grafik.😉

    • Andreas Neumann said, on 17. August 2010 at 9:25 am

      Der Aufbau der Seite spiegelt definitiv das Selbstverständnis der Institution wieder.
      Hier stellt sich die Frage: Wie sieht sich die Bibliothek selbst?

      – Als Dienstleister ?
      – Als ein Zusammenschluss fähiger Abteilungen ?
      – Als Bildungsinstitution?
      – Als Pace-Maker?
      – Als Archiv?

      Je nach Gewichtung wird auch der Wunsch Bestehen die Webseite dem eignen Profil anzupassen.
      Das Ergebnis dieser Selbstfindung im Bibliotheksumfeld ist meist nicht sehr kundenorientiert. Hier steht dann meist die Selbstrepräsentation zu sehr im Vordergrund und da jeder mit seiner Arbeit vertreten sein will kommt es oft zu überladenen Web-Sites.

      Also warum den Weg nicht anders herum gehen und dem Nutzer erlauben sich seine Wunschseite selbst zu gestallten, a la iGoogle. Die Bibliothek bietet verschiedene „Widgets“ oder wie die Tiere auf Neu/Managmentdeutsch auch immer heißen mögen an und der Nutzer wählt selbst.

      • Phu said, on 17. August 2010 at 10:55 am

        Meiner Meinung nach macht Personalisierung nur Sinn, wenn die Nutzerinnen sehr unterschiedliche Interessen haben, z.b. bei einem Nachrichtenportal wie der BBC http://www.bbc.co.uk/.
        Sie löst aber nicht den Konflikt, dass die Institution etwas anderes von der Website will als die Nutzerinnen. Im worst case hat man dann ein Widget mit den Kunstwerken der Bibliothek, das keiner nutzt, aber man hat es ja…
        Annes Vorschlag, stattdessen mal einen netten Blogartikel zu schreiben, finde ich super. Es muss nur irgendwie geregelt sein, dass jemand das auch macht. Das Stichwort hierzu heißt wohl „content strategy“, siehe http://www.alistapart.com/articles/thedisciplineofcontentstrategy/

  2. till said, on 17. August 2010 at 10:15 am

    Was hält die werte Leserschaft denn von Konzepten wie dem „Wissensportal“ der ETH Zürich (http://www.library.ethz.ch/)? Das ist ja die „Bibliotheks-Website“ unter anderem Namen und mit deutlich anderem Konzept. Suche steht ganz im Mittelpunkt, alles in einem Suchschlitz findbar (klassischer Katalog, weitere Ressourcen, Webseiten)…
    Oder die Bibliothek der University of Michigan: http://www.lib.umich.edu/ ? Ähnlicher Ansatz wie in Zürich: Lieber Nutzer, wir stellen unser tolles Angebot für dich in den Mittelpunkt. Du musst dich nicht entscheiden, ob du Öffnungszeiten der Cafeteria, Katalog, Fernleihe oder Fachdatenbank willst, wir bieten dir das alles aus einer Hand (unabhängig von der komplexen Struktur unseres Apparates und unserer Dienste dahinter)…
    Die TU Harburg könnte mit ihrer integrierten Suche über Katalog, Webseiten und Blog (http://katalog.tub.tu-harburg.de/) ja auch in diese Richtung gehen. Bin gespannt, was da kommt…

  3. Anne Christensen said, on 17. August 2010 at 12:10 pm

    Vom ETH-Portal bin ich genauso begeistert wie von geschmeidigen Einblende-Ausblende-Lösungen auf jQuery-Basis. Die Diskussion hier (danke!) macht mit aber klar, dass es mir bei dem Beitrag im Kern um das geht, was Phu unter dem Stichwort „Content Strategy“ erwähnt hat. Vor cleveren Lösungen für die Auffindbarkeit von Informationen über zentrale Indices sollte man sich wohl in der Tat überlegen, welche Informationen man überhaupt anbieten will und, noch globaler, welche Botschaft man mit diesen Informationen senden möchte. Wenn ich, um beim Beispiel Fernleihe zu bleiben, ein ganzes Sub-Netz mit Infotexten und Handreichungen webe, signalisiere ich damit: Leute, dieser Service hier ist nur was für Eingeweihte! Ich scheine eine mentale Content Strategy zu haben, die so was nicht will – aber das ist eben persönlich und unausgesprochen. Mal sehen, ob die aktuelle Arbeit in den Tiefen des neuen CMS eine solche Diskussion noch zulässt – ansonsten kommt das wohl auf den Merkzettel mit der Überschrift „Beim nächsten Mal besser machen“


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