A growing organism

Die Mühen der Ebene

Posted in Websites by Anne Christensen on 25. August 2010

Nach den Gedanken zur Website-Entrümpelung von letzter Woche heute ein paar Überlegungen zur Navigation auf Bibliotheks-Websites. Till Kinstler hat in der Diskussion auf das neue Wissensportal der ETH Zürich hingewiesen: Im Wesentlichen ein Suchschlitz, ein paar Teaser-Boxen für aktuelle multimediale Inhalte und, vergleichsweise dezent, vier Menüpunkte: Dienstleistungen, Ressourcen, Über uns und Kontakt.  Darunter eine weitere Inhaltsebene und ganz viele Querverweise.

Und dann  die benachbarte TUB Harburg mit ihrem neuen VuFind-Katalog, dessen Suchschlitz nun auch zur Website-Suche erweitert werden kann: Öffnungszeiten, Hinweise zur Verlängerung oder Informationen zum Reader-Printer, all das spuckt der neue Katalog auf Wunsch aus.  Noch ein bisschen Nacharbeit bei der Darstellung der Suchergebnisse von der Website , dann könnte die Katalogeinstiegsseite auch gleich als TUB-Homepage fungieren.

Die Angebote aus Zürich und Harburg sind gute Beispiele für das, was Lorcan Dempsey in seinem Post „3 stages of library websites“ als die Phase des „integrated supply“ bezeichnet – ich würde es mal die Suchschlitz-Phase nennen. Es geht darum, verteilte Informationsquellen (Katalog, Listen von Datenbanken und Zeitschriften oder gar Inhalte derselben, Websites) unter einer einheitlichen Oberfläche anzubieten und diese prominent zu platzieren.  So groß wie in Zürich darf der Suchschlitz gern sein, wenn er gute und gut dargestellte Ergebnisse bietet!

Wir haben unsere neue Website entworfen, als die Suchschlitz-Phase noch in relativer Ferne war – wir sind auf Grund diverser CMS-bezogenen Turbulenzen jetzt mit der Umsetzung unser Ideen aus dem Jahr 2007 beschäftigt. Unsere neue Seite, jetzt Erscheinungstermin Herbst 2010,  ist, von dem recht kleinen Suchschlitz für den Campuskatalog/beluga abgesehen, quasi ein Browsing-Einstieg in das Netz der Bibliotheksinformationen und damit im Vergleich zu Zürich schon vor Erscheinen in gewisser Weise ein Dinosaurier. „Wie viele Ebenen dürfen wir noch mal anlegen?“, fragte ein Kollege heute. Fünf sind es, die wir so zur Anzeige bringen können, dass sich die Kundschaft, von sinnstiftender Navigation gehalten, durch das Angebot klicken können.

Ist es die bibliothekarische Liebe zu Klassifikationen, die uns schachteln lässt, was das Zeug hält? Oder verstehen wir unsere Websites doch immer noch ein bisschen als bebilderte Organigramme, in denen der Bereich Handschriften eben ein Teil der Sondersammlungen ist und der wieder zur Obergruppe der Sammlungen gehört? Glücklicherweise steht uns ja mit einer entsprechenden Erweiterung von beluga der Weg zur Website mit umfassendem Suchschlitz offen – aber erstmal wollen eben die Mühe der (Navigations-) Ebene durchschritten werden. Und dass der Browsing-Einstig trotz allem seine Berechtigung hat, wissen wir ja aus der Katalog 2.0-Forschung bei beluga.

Eine Bibliothek, von der ich schon seit Jahren gerne abgucke, ist die der North Carolina State University. Deren kürzlich ge-relaunchte Site weist Funktionalitäten auf, die nach Lorcan Dempsey bereits die nächste Phase der Bibliotheks-Website kennzeichnen, nämlich die Nachfrage- und Problemorientierung. Im Zentrum auf der NCSU-Website stehen die Library Course Tools (Beispiel). Hier bekommen die Studierenden kursbezogene Informationspakte geschnürt: Suchschlitz, Semesterapparat, Gesicht der zuständigen Fachreferentin mit Kontaktdaten. Und dann natürlich der Knaller:  Die Webcam von der Schlange im hauseigenen Coffee-Shop – Angaben eines Mitarbeiters zu Folge eines der am meisten genutzten Features der Seite.

6 Antworten

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  1. Silvia said, on 25. August 2010 at 10:19 pm

    Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, wieviele Ebenen es gibt, sondern wie der Nutzer der Webseite dahin kommt. Dahinter stecken drei Gedanken:
    1. Eine Webseite ist eben nicht zum betrachten oder darstellen, sondern zum benutzen.
    2. Genauso wir für alle anderen Bibliotheksangebote gilt: Wir haben verschiedene Nutzer, die verschiedene Wege bevorzugen oder auch ausprobieren.
    3. Es geht um eine Webseite und ergo reden wir von diesem ominösen „Internet“ und das funktioniert mit Verweisen, diesen „Links“.
    Das heisst: Auf den Inhalt X möchte Nutzer A sich hinbrowsen, Nutzer B über den Suchschlitz treffen, Nutzer C über eine Liste ala A-Z gelangen und Nutzer D von anderen Seiten – evtl. „überraschend“ – dahin verlinkt werden.
    Ich denke, dass vor allem über viele Querverweise, wie beim Wissensportal der ETH schön gelöst, beiden Seiten geholfen wird: den Bibliotheken darin, ihre Inhalte an den Nutzer zu bringen und den Nutzern darin, zu für sie relevanten Inhalte zu kommen. Natürlich immer angenommen, diese Inhalte decken sich😉

    • Andrea Osterode said, on 26. August 2010 at 9:57 am

      Für http://www.bibliotheksportal.de läuft gerade eine Umfrage, in der neben Bewertung über Inhalte auch die Wege abgefragt werden, wie Nutzer auf der Website zu den Informationen gelangen. Erwartet hatte ich eigentlich, dass die meisten über den Suchschlitz gehen und wir in Zukunft eigentlich die klassischen Website-Struktur-Fragen, welche Inhalte wohin in welche Ebene gesteckt werden, vernachlässigen können. Obwohl die Umfrage noch läuft, ist aber schon abzusehen, dass ein ganz beträchtlicher Teil der Nutzer auf alle Fälle auch durch das Menü navigiert, nämlich über70%. Gerade mal die Hälfte der Antwortenden hat – bis jetzt – angegeben, dass sie über den Suchschlitz geht. (Bei dieser Frage waren Mehrfachantworten möglich). Auch alle anderen Wege – Sitemap, Direkt-Links von der Homepage, Verlinkung von anderen Seiten, spielen eine beträchtliche Rolle.
      Insofern kann ich mich Silvia nur anschließen – ich glaube, es ist wichtig, verschiedene Wege und Suchmöglichkeiten anzubieten, damit man unterschiedlichen Nutzer- und Zugangs-Interessen gerecht werden kann. Ich sehe den großen Vorteil im Browsing-Zugang und einer „ausgeklügelten“ Ebenen-Struktur durchaus darin, dass man so zu Seiten gelangen kann, auf die man nie im Leben über ein eigenes Suchwort gestoßen wäre.

      • Anne Christensen said, on 26. August 2010 at 10:16 am

        Ich würde aber doch unterstellen, dass gerade die Klientel des Bibliotheksportals eben jenen Browsing-Einstieg bevorzugt. Aus guten Grund, denn die herkömmlichen Website-Suchen sind ja doch eher enttäuschend. Zudem ist die Aufgabe einer Bibliotheks-Website aber doch auch eine andere als die des Bibliotheksportals: Die Bibliotheks-Website ist ein Sprungbrett in Kataloge, Datenbanken etc. Der Weg zum „richtigen“ Informationsmittel ist oft ein langer und erfordert Verständnis der Fachterminologie, richtiges Einschätzen der Leistungsfähigkeit einzelner Angebote etc. Diese kognitiv hoch aufwändigen Prozesse kann ein zentraler Suchschlitz verkürzen: Ich gebe ein, was ich suche und erhalte Suchergebnisse aus verschiedenen Quellen, die so präsentiert sind, dass ich leicht das erhalte, was ich suche. Das ist – zugegebenermaßen – schwierig und vor allem technisch anspruchsvoller als eine hierarchisch aufgebaute Website als einzigem Sucheinstieg. Aber, um den geschätzten Ranganathan mal wieder zu bemühen, es spart die Zeit der Nutzerinnen und Nutzer, davon bin ich überzeugt.

        Aber, um das noch mal zu betonen, ich bin nicht gegen Browsing-Einstiege. Ich bin nur dafür, dass sie künftig als einer von zwei möglichen Einstiegen in die Benutzung von Bibliotheks-Websites benutzt werden: Also Browsing auf der einen, Suchschlitz für integrierte Suche über Website, Kataloge, Datenbanken etc. auf der anderen Seite.

      • Silvia said, on 26. August 2010 at 12:20 pm

        @Anne: Jein. Ich bastel z.Z. auch an unseren Webseiten und aus den Interviews mit den Nutzern kann ich – wenig überraschend – herausnehmen, dass der Katalog das erste ist, was die Nutzer suchen. Daraus ergibt sich zwingend der Suchschlitz an prominenter Stelle auf allen Seiten. Leider können wir aus technischen Gründen nicht alle Inhalte der verschiedenen Informationsmittel über einen Sucheinstieg laufen lassen. Suchschlitz-Phase also noch in weitester Ferne😦
        Nach der Literatursuche, wollen die Nutzer jedoch ganz unterschiedliche Dinge auf den Bibliotheksseiten: Öffnungszeiten, Kontaktdaten, Carrels, Fernleihe, Tipps & Tools zum Wissenschaftlichen Arbeiten, etc. Katalog und Webseiten sollten zwar unter einer Oberfläche erscheinen, aber aus allem eine große Datenbank zu machen halte ich für verfehlt. Die dadurch entstehenden Probleme kann bisher keine Suchmaschinentechnologie, kein Ranking-Algorithmus auffangen. Und eine Webseite ist eben nicht nur Suchportal, sondern dient bspw. auch dem Marketing oder der IK-Vermittlung.
        Mir ist noch eine Differenzierung des Begriffs „Browsing“ wichtig: Einmal Navigieren in einem hierarchisch strukturierten System und einmal das Hüpfen von Link zu Link im Text. Beides sind wichtige Strategien, um zu relevanten Informationen zu kommen und sollten von einer Webseite unterstützt werden.

  2. Jakob said, on 28. August 2010 at 9:53 am

    Ich kann die Betonung des einen Suchschlitzes, über den alles einfach auffindbar sein soll, nachvollziehen. Aber damit wird kaschiert, dass gute Webseiten erstmal eine durchdachte Struktur und sinnvolle Links benötigen. Die Suche ist höchstens der Einstieg. Im besten Fall kommt der Nutzer über die Suche direkt auf eine Seite, die genau das enthält, was er sucht – aber oft gibt es keine klare 1-zu-1 Abbildung von Suchanfrage und Antwortseite. Deshalb sind Browsingzugänge ebenso wichtig. Die Drilldown-Funktion von VuFind ist aber nur eine Art von Browsing. Wenn bei TUBfInd drei (*!) koodinierte Klicks notwendig sind, um z.B. zu Informationen zur Anmeldung zu kommen, ist das zwar auch Browsing, aber nichts womit sich für den Vorteil von Suchschlitzen argumentieren lässt. Wenn „die herkömmlichen Website-Suchen sind ja doch eher enttäuschend“ sind, wie Anne richtig feststellt, heisst das erstmal nur, dass die Suche verbessert werden muss und nicht dass im gleichen Atemzug andere Zugänge eingestampft werden können.

    * (1) Suche in „Website“ anwählen (2) Filter „Website“ anwählen (3) Treffer auswählen. Intuitiv ist das nicht, während das Herumsuchen in Hierarchieren Nutzern eher vertraut sein dürfte (z.B. aus der Menüstruktur Microsoft Word😉.

  3. Anne Christensen said, on 28. August 2010 at 10:48 am

    @Silvia: Ich würde schon denken, dass man mit den jetzigen Technologien einen guten Suchschlitz bauen könnte. Neben einer entsprechenden Konfiguration von Suchmaschinentechnologie ist jedoch vor allem die Präsentation der Ergebnisse erfolgskritisch. Ich habe letztes Jahr in der SUB Göttingen einen Preview für die neue Website dort gesehen und fand in dem Design gute Ideen, wie man gute Ergebnisse auch sinnvoll präsentiert. Aber dafür braucht man dann eben noch eine weitere Kompetenz!

    @Jakob: Ja, TUBfind muss da noch nachlegen, was die Präsentation von Suchergebnissen ihrer Website angeht – der momentane Stand erspart noch nicht allzuviel an dem, was du koordinierten Klicks nennst. Ich kann mir aber vorstellen, dass wenn man 1. eine gut strukturierte Seite hat und 2. die Suchmaschine entsprechend zu konfigurieren weiß dafür sorgen kann, dass beispielsweise übergreifende Darstellungen von Ausleihe bevorzugt in der Treffermenge angezeigt werden. Womit ich dir auch Recht darin gebe, dass eine gute Webseiten-Struktur notwendig ist. Ich bin aber nur der Meinung, dass man nicht allzuviele Ebenen einbauen sollte – wie das physische Bibliotheksgebäude auch einfach so wenig wie möglich verschachteln, klare Benennung und Beschilderung etc.


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