A growing organism

Relaunch 2010 – The Making of

Posted in Websites by Anne Christensen on 7. Oktober 2010

Nun ist sie also in der Welt, die neue Website. Mit kleinerem Suchschlitz und mehr Ebenen als ich persönlich mir gewünscht hätte, aber man muss ja Kompromisse machen. Obwohl:  Der Spruch, dass gutes Design nicht demokratisch ist, lag mir oft genug auf der Zunge – aber mir anzumaßen, den guten Design-Geschmack mit Löffeln gefressen zu haben mochte ich nun auch nicht. Da ist es gut, wenn man – wie bei uns der Fall – Profis an Bord hat, die einen gesteckten Rahmen verstehen, diesen Rahmen und uns als Kunden aber auch mit neuen Ideen herausfordern.  Unsere Profis – der Designer Christoph Konradi und die Agentur Avonis – verstehen diese Kunst und haben sich mit der richtigen Mischung aus Geduld und Elan auf uns einen kleinschrittigen Entwicklungsprozess eingelassen.

Screendesign 2008Mit der Entwicklung  von Architektur und Design der neuen Website haben wir im Frühjahr 2008 angefangen. Wir – das ist die WWW-AG mit ca. 15 KollegInnen aus allen Bereichen der Bibliothek, formell unter der Leitung von Jürgen Christof als Chef der Hauptabteilung IuK-Technik/Digitale Bibliothek, operativ geführt von der Chefredaktion – damals noch mein Kollege Phu Tu (der u.a. auch das Frontend von beluga designt hat). Phu hat aus einer langen Liste an Zielvorstellungen für die neue Website ein Kondensat gemacht: Das erste Screendesign war das Ergebnis einer gemeinsamen Leitbild-Diskussion der WWW-AG und zahlreichen Einzelgesprächen mit einzelnen Abteilungen. Letztere waren vor allem deswegen wichtig, weil die neue Website ja eben kein bebildertes Organigramm werden sollte, sondern ein Werkzeug für die Recherche – und die Konsequenzen daraus mussten im Detail ausgehandelt werden. Diese Gespräche boten aber nicht nur Gelegenheit zur Beteiligung am Re-Design, sondern haben vielen nicht so Web-affinen KollegInnen dabei geholfen, Verständnis für die Herausforderungen beim Relaunch zu entwickeln.

Dieses Screendesign ging dann nach Wismar zu unserem Designer Christoph Konradi, der die erste Umsetzung insgesamt neun Mal verbessert, verfeinert und weiter entwickelt hat, jeweils auf Grundlage der Rückmeldungen aus der WWW-AG. Sein erster Entwurf war vom Farbklima her noch ziemlich anders als die heutige Seite, aber der beabsichtigte Magazin-artige Charakter der neuen Website lässt sich auch darin schon erkennen. Erster Designentwurf Am Ende dieses Prozesses steht das Design, wie wir es heute kennen:  Ein großes Bild, die drei Rubriken Recherche, Service und Bibliotheken, eine prominente Platzierung des Blogs und Teaser-Boxen zum Bewerben von Ausstellungen, Veranstaltungen und anderen Specials.

Nächster Schritt: Umsetzung des Designs in CSS und Entwicklung von Templates in dem gewählten Content Management System.  Dieses heißt heute TYPO3 – nachdem wir große Teile des vergangenen Jahres damit verbracht haben, mit einem anderen Produkt ans Ziel zu kommen. Darüber muss hier jedoch geschwiegen, stattdessen aber große Zufriedenheit mit TYPO3 verkündet werden: Auch wenn die Lernkurve bei der Erstellung von Inhalten zunächst nur langsam ansteigt, sagen mittlerweile aber alle Redakteurinnen und Redakteure: Macht Spaß, mit dem System zu arbeiten.

Dass das so ist, verdanken wir zu einem großen Teil der Agentur Avonis, die Anfang diesen Jahres ins Spiel kam. Wir haben Avonis mit dem Aufsetzen des Systems, der Entwicklung und Implementierung der Templates, Schulung und  Support beauftragt.  Die Königsdisziplin war jedoch die Entwicklung von Plugins für DBIS, EZB sowie diverse hauseigene Datenbanken (Bibliotheksführer, Kontaktdatenbank) – die Integration von anderen Systemen kann ja beliebig kniffelig werden, und insbesondere für die Integration von DBIS und EZB lag die Messlatte durch die Lösung der USB Köln hoch.  Herausgekommen sind jetzt TYPO3-Plugins, die im Grunde genommen von jeder anderen Bibliothek, die ihren Webauftritt auf Basis von TYPO3 betreibt, nachgenutzt werden können – im Moment schleifen wir allerdings noch an ein paar Details.  Entscheidend für den (wie ich finde: offensichtlichen) Erfolg unserer Zusammenarbeit mit Avonis war es, dass wir die gleichen Vorstellungen davon hatten, wie wir bei der Entwicklung der Seite vorgehen: Wir haben keine Pflichtenhefte geschrieben, sondern haben uns jede dieser Funktionalitäten einen Besprechungstermin gegönnt. Daraufhin gab es immer sehr rasch eine erste Umsetzung, die wir – die inzwischen auf zwei Köpfe angewachsene Chefredaktion und unser leitender Entwickler – dann getestet und mit Rückmeldungen weiter entwickelt haben.  Ich persönlich hätte nämlich zum Beispiel nicht sagen können, dass wir für die Anzeige der Kontaktdaten jeweils zwei grundsätzliche Varianten brauchen (Einzelanzeige und Liste), die für die Ausgabe an unterschiedlichen Bereichen der Website (Hauptcontent oder Teaser-Box) unterschiedlich gelayoutet sein müssen.  Solche Anforderungen kann man meist erst dann formulieren, wenn man zuvor mit einer grundsätzlich funktionierenden kleineren Lösung gearbeitet hat – das ist jedenfalls meine Erfahrung, nicht nur bei dem Website-Projekt. Insofern kann ich nur dazu raten, sich Partner wie Avonis an die Seite zu holen, die sich auf einen solches Vorgehensmodell bei der Entwicklung einlassen und auch in der Lage sind, dieses Vorgehen entsprechend zu moderieren.

Wie gesagt hat uns Avonis für die Arbeit mit TYPO3 geschult. Zunächst erstmal eine kleine Untergruppe der WWW-AG und dann alle zusammen – womit dann auch der Startschuss für die Erstellung von Content fiel. Ein einfaches Rüberkopieren von Inhalten aus der alten in die neue Website war weder möglich noch erwünscht, daher musste wirklich alles angefasst werden. Dafür, dass die heiße Phase der Content-Erstellung erst nach der Sommerpause so richtig losging, waren wir damit aber recht schnell – ein weiterer Beleg dafür, dass sich mit TYPO3 gut arbeiten lässt, was auch das Fazit aus einem dreitägigen Redaktions-Workshop im September war, der für viele KollegInnen, gerade aus dem Benutzungsbereich, die einzige Gelegenheit war, sich mal für eine längere Zeit am Stück mit dem neuen CMS auseinanderzusetzen.

Seit Mitte August verbreitete sich wie von Geisterhand der Link auf unseren Entwicklungsserver im Haus – die Mitglieder der WWW-AG haben offenbar selbst eine Art „Guerilla-Marketing“ für die neue Website betrieben, so dass bei der offiziellen Vorstellung im September eigentlich niemand mehr so richtig überrascht war. Viele individuelle Fragen hatten sich schon vorher geklärt bzw. wurden danach besprochen. Erstaunt hat uns alle in der WWW-AG, wie wenig kritische Stimmen es gegeben hat – beim letzten Relaunch im Jahr 2001 muss es offenbar mehr Haue für Designfragen gegeben haben, so wurde es zumindest berichtet. Das Ausbleiben von Kritik und die einzelnen sehr lobenden Stimmen interpretiere ich zunächst als Ausdruck von Erleichterung darüber, dass das sehr veraltete Erscheinungsbild endlich renoviert wurde. Nicht zu unterschätzen ist allerdings auch den unbedingten Rückhalt der Direktion für die Arbeit der WWW-AG, die jegliche Fundamental-Kritik am neuen Auftritt von vornherein untersagt hat. Mag man für undemokratisch halten, aber wie gesagt: Gutes Design ist eben nicht demokratisch – aber partizipativ. Wir haben versucht, möglichst viele KollegInnen mit ins Boot zu nehmen.  Der perfekte Relaunch-Prozess sähe darüber hinaus aber natürlich auch die Beteiligung der BenutzerInnen vor – beispielsweise durch die Arbeit mit Personas, wie es die von mir ja gern gelobte Bibliothek der North Carolina State University gemacht hat. Gut also, dass nach dem Relaunch immer vor dem Relaunch ist!

Eine Antwort

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  1. CH said, on 8. Oktober 2010 at 1:12 pm

    Danke für den Bericht. Das Typo3-Plugin zur Einbindung von DBIS und EZB ist eine großartige Idee! Weißt Du schon, wann und wie es verfügbar sein wird?


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