A growing organism

Mobiles Benutzerkonto, made by user: EDsync

Posted in Mobile Dienste by Anne Christensen on 17. März 2011

Bibliotheksdienste für mobile Anwendungen sind nicht erst seit gestern Thema der Fachdiskussion – der wohl umfassendste Beitrag dazu von Regina Pfeifenberger wurde sogar preisgekrönt. Umso verwunderlicher eigentlich, dass es trotz nachahmenswerter Best Practice-Beispiele aus dem Ausland (immer wieder toll: die Angebote der North Carolina State University) bislang keine wirklichen Angebote deutscher Bibliotheken gibt, von der Gesamt-Uni-App aus Köln vielleicht mal abgesehen.

Kein Wunder also, dass Bibliotheksbenutzer wie der Hamburger Martin Kim Dung-Pham mit Entwicklungen wie EDsync for iPhone selbst ans Werk machen – und genau das ist ja eigentlich der Traum aller BibliothekarInnen 2.0 und Open Data-AktivistInnen: Wir stellen Schnittstellen zur Verfügung und freuen uns an kreativen Remix- und Reuse-Ideen von BenutzerInnen.

Nun ist es aber bekanntermaßen nicht gerade so, dass die im Einsatz befindlichen Katalog- und Ausleihsysteme mit (web-)standardisierten Schnittstellen, Formaten und entsprechenden Dokumentationen aufwarten. Vielleicht ist das ein Grund für den eingangs beklagten App-Mangel. Aber wer sich nicht abschrecken lässt und geduldig nach der Methode des Reverse Engineering vorgeht, kann durchaus zu schönen Ergebnissen kommen: Mit der erwähnten App lassen sich mittlerweile die Benutzerkonten in einer ganzen Reihe von GBV-Bibliotheken verwalten. Martin Kim Dung-Pham nutzt LOAN-Schnittstelle des PICA-LBS und hat seit Erscheinen seiner App im vergangenen Jahr zahlreiche Verbesserungen implementiert, u.a. die Unterstützung von SSL, was bei ersten Tests von LBS-Profis noch moniert worden war. Mittlerweile ist die App auch über iTunes erhältlich.

Interessant ist, wie sich Bibliotheken zu solchen Diensten verhalten. Wenn BibliotheksbenutzerInnen sich das Leben mit uns selbst leichter machen, bedeutet das nicht notwendigerweise, dass die Bibliotheken dies unterstützen. Eine explizite Unterstützung oder gar offensive Werbung von Bibliotheken für die genannte App oder eher 1.0-ige Dienste wie den Bücherwecker ist mir bislang nicht bekannt – sei es, weil die Bibliotheken sich die Mahngebühren nicht durch die Lappen gehen lassen wollen oder weil sie den Entwicklungen (deren Hintergründe sie oft nicht kennen) einfach nicht trauen und durch Verweise darauf nicht zur Verantwortung für irgendetwas gezogen werden wollen. Der Entwicklung von Leidenschaft seitens des Publikums für uns steht dieses Verhalten allerdings im Wege.

Ich persönlich halte EDsync für eine klasse Idee, und mir gefällt auch das bewusst gewählte Modell der vom Verbund oder einer Bibliothek als AuftraggeberIn unabhängigen Entwicklung. Meine eigene anfängliche Skepsis in Punkto Datenschutz (wie werden meine Kennung und mein Passwort übertragen und werden die vielleicht sogar irgendwo gespeichert) sind durch persönliche Gespräche sowie die offene Kommunikation über die Entwicklungsplanungen und -fortschritte im Blog zur App zerstreut. Mein Ziel ist es, den NutzerInnen der UB Lüneburg die App ausdrücklich zu empfehlen – vorher würde ich mir allerdings noch wünschen, dass die im Moment standardmäßig deaktivierte Such-Funktion fertig implementiert wird. Von des Entwicklers Kampf mit dem Parsing von Suchergebnissen aus der XML-Schnittstelle des Verbundkatalogs habe ich einen Eindruck erhalten – wer gute Ideen für die Umsetzung einer mobilen Suche in GBV-Datenbanken ist  ausdrücklich und herzlich eingeladen, diese zu äußern – zum Beispiel im Blog von EDsync.

14 Antworten

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  1. CH said, on 18. März 2011 at 1:09 am

    Das ist mir ja ganz neu, das werde ich morgen gleich mal zur Sprache bringen! Besten Dank für den Hinweis!

  2. ob said, on 18. März 2011 at 10:02 am

    genial! Passt super in meinen Mobile-Library-Kick-off-Vortrag am Montag vor den werten KollegInnen.

  3. alofro said, on 18. März 2011 at 10:48 am

    Ich stolpere gerade über die Bezeichnung Gesamt-Uni-App aus Köln. Es ist nicht wirklich eine App, sondern nur die Website in mobilem Format. Davon gibt es auch andere Beispiele (z.B. mobiler Katalog der UB DuE: https://katalog.ub.uni-due.de/mobile.htm), das sind aber keine Apps.
    Zusätzlich sind einige Apps (zumindest an UBs in NRW) in der Entwicklung, sie sind aber entweder noch nicht spruchreif oder einfach noch nicht in agglomerierter Form bekanntgegeben. So haben wir z.B. in Duisburg-Essen eine App zum Einlesen von Barcodes für Android, die dann direkt zum Exemplar in den Katalog springt (in diesem Fall aber gerade erst zum internen Testen bereitgestellt).
    Ich denke nicht, daß es da nicht genug Entwicklung gibt, ich denke einfach -wie immer- daß Bibliotheken nicht die schnellster Reakteure sind😉
    Daß Nutzer etwas entwickeln finde ich natürlich super!

  4. […] Anne Christensen macht auf eine von Martin Kim Dung-Pham programmierte App aufmerksam: EDSync for iPhone. Der Nutzen der App: EDsync verwaltet deine Entleihungen. Du kannst EDsync mit deiner Bibliothek synchronisieren. So hast du immer einen Überblick, wann und welche Medien du wo zurückgeben musst. Die lokale Speicherung auf deinem Rechner erlaubt dir jeder Zeit Zugriff auf die Entleihungsdaten – egal, ob du on- oder offline bist. […]

  5. Christoph Deeg said, on 18. März 2011 at 11:23 am

    Spannender Beitrag und man kann sehen oder vielmehr erahnen, welche Möglichkeiten in durch die Einbindung der User entstehen könnten. Vielen Dank dafür!

    Ein Beispiel aus einer verwandten Welt: Die Computergames. Hier werden die Nutzer eingeladen, Spiele weiter zu entwickeln. Das Spiel Half Life 2 ist ein gutes Beispiel. Hier gibt es von Seiten der Gamer eine Vielzahl an neuen, spannenden sog. Mods.:http://de.wikipedia.org/wiki/Half_Life (hier unter Inoffizielle Mods nachsehen) Ein weiteres nicht unumstrittenes Beispiel ist 1387 km, welches ebenfalls auf Half Life basiert: http://www.1378km.de/ Mehr zum Thema Mods findet Ihr unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Mod_%28Computerspiel%29

    Natürlich gibt einen Unterschied zu den hier beschriebenen Projekten. Jedoch kann man feststellen, dass die Gamesindustrie erkannt hat, welche Chancen und Möglichkeiten durch die Integration der User als Entwickler entstehen.

    Dies nur als kleiner Hinweis:-)

    Ganz liebe Grüße

    Christoph Deeg

  6. Anne Christensen said, on 18. März 2011 at 11:35 am

    @Ania: Dass es sich bei dem Angebot der Uni Köln nicht um eine App, sondern „nur“ um eine für die Ausgabe auf mobilen Geräten optimierte Website handelt, habe ich in der Tat falsch dargestellt. Vielen Dank für die Korrektur – und den Hinweis auf die Entwicklungen in NRW, das klingt sehr spannend! Stichwort Barcode: Hast du den Hinweis neulich auf die Verwendung von gescannten Bibliotheksausweisen auf Smartphones gelesen:

    http://www.swissarmylibrarian.net/2011/02/08/scanning-library-cards-on-smartphones/

    Klingt so, als wenn das eine niedrig hängende Frucht wäre…

  7. hauschke said, on 18. März 2011 at 11:43 am

    Über die niedrig hängende Fruch hatte ich mich beim Bibcamp mit mehreren Leuten unterhalten. Es gab viele Bedenken hinsichtlich der Sicherheit. Ich glaube allerdings nicht, dass man diese Bedenken nicht ausräumen könnte.

    Ideal wäre natürlich, wenn wir die erforderlichen Mechanismen zur Authentifizierung auch als gut dokumentierte Schnittstelle zur Verfügung stellen würden. Dann könnten pfiffige externe Innovatoren darauf aufbauen und müssten sich nicht mit Reverse Engineering herumplagen.

  8. Jan said, on 18. März 2011 at 1:14 pm

    Sehr schön,

    „wie werden meine Kennung und mein Passwort übertragen und werden die vielleicht sogar irgendwo gespeichert“

    aber wie verhält es sich mit den eigenen Daten? Im referenzierten Blog habe ich beim querlesen der Beiträge und Kommentare nichts gefunden. Kannst Du das noch konkretisieren?

    • Martin Kim Dung-Pham said, on 18. März 2011 at 3:53 pm

      EDsync scheint hier ja eine recht positive Resonanz hervorzurufen – freut mich sehr!

      @Jan:
      EDsync for iPhone speichert keinerlei nutzerspezifische Daten wie Ausweisnummer/Passwort/Adresse/etc..
      Was ich mache, ist Google Analytics nutzen, um das Nutzerverhalten nachvollziehen zu können – aber auch dieses kannst du abschalten. Beim Start spricht die App möglicherweise einmal kurz mit meinem Server, um nach Änderungen bezüglich der Bibliotheken zu sehen (hat sich die Adresse einer Bibliothek geändert, deren Serveradressen, usw.).
      Ansonsten gibt es einzig die Kommunikation zwischen dem Telefon und dem Bibliotheksserver (ssl verschlüsselt) und dem iAd Framework von Apple mit Apple servern. Wenn du genaueres über die Netzwerkkommunikation wissen möchtest, würde ich Dir entweder ein Netzwerkanalysetool wie wireshark empfehlen, oder Du schreibst mich kurz an (was eventuell einfacher ist :)).

      EDsync für Mac hingegen verhält sich etwas anders. Es erlaubt z.B. das Bewerten von Medien. Dabei wird Deine Ausweisnummer und die ISBN auf meinem Server gespeichert. Mehr zur Netzwerkommunikation von EDsync für Mac findest du auf http://www.elbedev.com/EDsync/Antworten.html unter dem Punkt „Welche deiner Daten werden ins Weltnetz geschickt, wenn du EDsync nutzt?“.

      Ich hoffe, das hilft. Falls es konkreter sein soll, melde Dich einfach ;p

  9. netbib weblog said, on 20. März 2011 at 11:13 am

    Bibliothekskonto mit iPhone abfragen…

    Anne (Mobiles Benutzerkonto, made by user: EDsync) und Christian (Mobiles Bibliothekskonto von elbedev) sind zu Recht begeistert über EDSync für das iPhone. Mit dieser App kann man sein Bibliothekskonto abfragen und Leihfristen verlängern (das Verlänge…

  10. […] Bibliotheksanwendungen auf mobilen Endgeräten geht es im Blog A growing organism. Das mobile Bibliothekskonto EDsync for iPhone ist jedoch nicht in einer Bibliothek oder einem […]

  11. […] Xenzen berichtet in ihrem Blog “The growing organism” über eine App fürs iphone, mit der man seine Benutzerkonten in verschiedenen Bibliotheken bündeln kann und auf diese Weise zum Beispiel per Handy die eigenen Ausleihen verlängern kann. In diese App kann auch ein Konto bei uns eingebunden werden. Aber eigentlich braucht man das nicht unbedingt, denn unser TUBfind bietet diese Möglichkeiten schon von Haus aus – auch auf Mobilgeräte angepasst. […]

  12. […] · In Informationszentren, Tech Ich bin bei NetBib über die App gestolpert, doch auch andere haben bereits berichtet – zurecht! EDSynch for iPhone (iTunes) holt die Nutzerverwaltung […]

  13. Katja Freudenberg said, on 19. April 2011 at 9:30 am

    Ein Versuch der Ehrenrettung: die UFB Erfurt/Gotha bringt schon seit ein paar Jahren auf ihrer Homepage einen Hinweis auf den Bücherwecker (A bis Z, http://www.uni-erfurt.de/bibliothek/a-z/), ebenso auf der Startseite des Online-Katalogs der Bibliothek (http://opac.uni-erfurt.de/DB=1/LNG=DU/). Wir empfehlen den Bücherwecker auch an den Theken durchaus weiter.
    Ich hoffe, wir werden uns auch zu Edsync gleichermaßen verhalten, die Entscheidung steht noch aus.


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