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Garderobenpflicht: Haltung zeigen

Posted in Benutzung by Anne Christensen on 9. August 2011

Wie schon andernorts gesagt:  Das Thema Garderobenpflicht hat mich im Moment in seinem Bann. Ist doch langweilig? Weit gefehlt, es ist eine erstklassige Chance, seine bibliothekarische Haltung zu reflektieren und zu definieren. Los geht’s:Im Moment trage ich fast täglich David R. Lankes‘ kiloschweren „Atlas of  New Librarianship“ auf dem Arbeitsweg mit mir herum und lese das Werk des US-amerikanischen Bibliothekswissenschaftlers mit großem Gewinn, weil ich darin einen hervorragend beschriebenen theoretischen Rahmen für praktisches bibliothekarisches Handeln finde (vgl. Lankes, R. David 2011. „The atlas of new librarianship“  Cambridge, Mass: MIT Press.)

Eine von Lankes‘ Thesen ist, dass sich eine Bibliothek in einer ständigen Auseinandersetzung mit der Gemeinschaft, der sie dient, über die von ihr angebotenen Dienste befindet, und dass sich die Informationsdienste auf Grundlage dieser impliziten und expliziten Gespräche weiter entwickeln muss. Einen sehr expliziten Gesprächsball habe ich kürzlich in der Mensa aufgefangen: Das dort ausgelegte Faltblatt einer hochschulpolitischen Gruppe, deren erste Forderung nach potenziellem Einzug in das StuPa der Wegfall der Garderobenpflicht in der Zentralbibliothek unseres Bibliothekssystems ist. In die selbe Kerbe haben dann noch die Studierenden geschlagen, mit denen ich im Rahmen eines Workshops unter präsidialer Begleitung über die Dienste der Bibliothek diskutiert habe. Deutlicher kann ein Aufruf zum Überdenken der gängigen Praxis in diesem Punkt also nicht sein.

Die Lage ist folgende: In zwei Teilbibliotheken gibt es schon seit langer Zeit keine Garderobenpflicht mehr. Studierende, die sowohl die Teilbibliotheken als auch die Zentralbibliothek benutzen, beschweren sich in schöner Regelmäßigkeit über die unterschiedliche Handhabung in den verschiedenen Häusern und, wenn man ehrlich ist, auch bei der Auslegung der „Laptoptaschen sind erlaubt“-Regel in der Zentralbibliothek. Dass solche Inkonsistenzen ein No-Go in der Benutzung sind, muss nicht extra betont werden – auch wenn ich denke, dass MitarbeiterInnen, die Regeln im Sinne von BenutzerInnen auslegen ausdehnen, das Fleisch und Blut von Bibliotheken sind.  Wie auch immer: Verschärft wird die Situation zusätzlich dadurch, dass die angebotenen Schließfächer nicht ausreichen bzw. mit hohem Personal- oder Kostenaufwand entweder regelmäßig kontrolliert oder auf eine andere technische Basis gestellt werden müssten, um Dauerbelegung zu vermeiden. In Karlsruhe, Darmstadt und Hannover sind zum Beispiel Ausgabeautomaten für Schließfach-Schlüssel im Einsatz, die mit dem Ausleihsystem verbunden sind, so dass nach Ablauf der Leihfrist für ein Schließfach kostenpflichtige Mahnungen produziert werden können. Alternativ kann auf Schlösser mit RFID oder MiFare-Chips umsatteln und die Lösung so einrichten, dass eine Öffnung nach Ablauf der definierten Belegungsfrist nicht mehr geöffnet werden können, so dass die säumige Kundschaft auch hier zur Kasse gebeten werden kann. Mit anderen Worten: Diese Lösungen kann man sich wegen der Investitionskosten nicht einfach aus dem Ärmel schütteln, das Wintersemester mit den angekündigten Massen steht vor der Tür und was also tun, vor allem vor dem Hintergrund der Rufe nach dem Wegfall der Garderobenpflicht?

Erstmal fragen, was andere machen, dachte ich mir. Interessanterweise sind die Probleme mit den Schließfächern auch andernorts ein Motor für das Hinterfragen der Garderobenpflicht. Ich weiß inzwischen von zwei weiteren (nicht kleinen Bibliotheken) deren Hauptgrund für den Wegfall der Garderobenpflicht eben jenes ganz praktische Erwägen war. Eine Antwort auf meine Anfrage an InetBib kam von einem Kollegen nordamerikanischer Herkunft, der mich daran erinnert hat, wie seltsam die Garderobenpflicht aus der transatlantischen Perspektive anmutet. In einem Artikel über Buchsicherungsanlagen, den ich im Kontext meiner Überlegungen gelesen habe, wurde als eine Methode zur Sicherung von besonders wertvollen Beständen das Verbot von Mänteln und anderen „bulky possessions“ angepriesen (vgl. Wilt, Thomas B. 1996. „The use of electronic book theft detection systems in libraries.“ Journal of Interlibrary Loan, Document Delivery & Information Supply 6, no. 4: 45).  Die Garderobenpflicht ist demnach eine Standard-Einstellung in deutschen (vielleicht auch europäischen?) Bibliotheken, aber andernorts in der Welt eben eher die Ausnahme als die Regel.

Warum eigentlich Garderobenpflicht? Das fragt das geneigte Bibliothekspublikum auch mitunter mit Verweis auf die vielfach im Einsatz befindlichen Buchsicherungsanlagen.  Selbige gibt es – auch das ein Ergebnis meiner Recherchen, ich habe von so was ja eher wenig Ahnung – seit den 1960er Jahren. Über ihre Effektivität kann man stapelweise Literatur finden. Wenn ich Zeit hätte, die zu lesen, würde ich gerne herausfinden, ob es Bibliotheken gibt, die bei der Einführung von Buchsicherungsanlagen ihre Garderobenpflicht aufgehoben haben. Meine These ist: Das eine hängt in der bibliothekarischen Wahrnehmung mit dem anderen nicht zusammen, es gibt tief sitzende Vorbehalte gegen einen liberalen Umgang mit dem Thema.

Es haben mir zwei Kollegen geantwortet, die gerne die Garderobenpflicht abgeschafft hätten, es aber wegen großer interner Widerstände nicht getan haben.  Warum hängen wir BibliothekarInnen so an dieser Regel? Sicherheitsaspekte allein können es doch kaum sein, denn wir haben Buchsicherungsanlagen. Ich verstehe das Argument, dass Fussbeläge, Möbel und Raumklima durch potenziell nasse Bekleidung mehr strapaziert werden – wer will schon, dass einem ein sorgloser Umgang mit steuerfinanzierten Gebäuden und Ausstattungen vorgeworfen wird?

So richtig ans Eingemachte geht es bei den Diskussionen aber dann, wenn durch die Abschaffung der Garderobenpflicht das „Ende des Lernorts Bibliothek“ gesehen wird: Die resultierende Unaufgeräumtheit einerseits und die erwartete Lärmbelastung durch Herumkramen, Öffnen und Schließen von Taschen und das (heimliche) Entnehmen und Verzehren von Schokoriegeln etc. werden als unzumutbar empfunden.  Und in der Tat: Genau das wird vermutlich passieren, und vermutlich wird auch dann und wann die diensthabende Auskunftsbibliothekarin als Schiedsrichterin herbeigerufen, wenn es im Publikum zu Konflikten kommt.  Dass das dann wenig Freude bereitet, kann ich verstehen, aber: Solche Situationen gehören zu unserem Job.

Was meiner Ansicht nach aber auch dazu gehört ist das konsequente und ehrliche Bemühen darum, eine Bibliothek so einladend wie möglich zu gestalten und den Besuch so einfach wie es eben geht. Dazu gehört für mich gerade, einen Moment lang innezuhalten und mich zu fragen, ob die Garderobenpflicht in einer normalen Universitätsbibliothek ohne kostbare Sonderbestände weiterhin zeitgemäß ist. Zeitgemäß deshalb, weil ich denke, dass wir auch an unserem Bild von Benutzerinnen und Benutzern arbeiten sollten – was die direkte Überleitung zu meinem Hauptargument gegen die Garderobenpflicht ist: Wenn eine den ganzen Tag lang in der Bibliothek arbeitet, hat sie dann nicht von sich aus ein Interesse daran, Überflüssiges in einem Schließfach zu deponieren? Wenn es draußen regnet in Strömen, kommt einer dann nicht von selbst darauf, den nassen Schirm in bereitgestellte Schirmständer zu stellen? Wenn eine unbedingt Ruhe braucht, geht sie dann nicht gern in die Zone der Bibliothek, in der wir um Benutzung ohne Laptops und Taschen bitten? Ich erlebe einige unserer Regeln als bevormundend, und die Garderobenpflicht ist eine der Regeln, bei denen ich glaube, dass wir damit die Selbstbestimmtheit unserer BenutzerInnen beeinträchtigen, ohne dabei allzu viel zu gewinnen. Wir denken oft von unseren BenutzerInnen als Menschen, die potenziell gegen jede Regel verstoßen – die strengen Schilder zur Einhaltung des Radierverbotes sind ein weiteres Beispiel (zu dem mir heftige Anstreichungen in einem bibliothekarischen Fachbuch unseres Bestandes heitere Genugtuung geliefert haben, aber das nur am Rande).

Ich glaube, dass unsere BenutzerInnen eine relativ klare und sehr ähnliche Vorstellungen davon haben, wie man sich in Bibliotheken zu verhalten hat.  Ich glaube auch, dass man diese in Form von Spielregeln verschriftlichen und als Richtschnur kommunizieren könnte – dass so was dann richtiggehend Marketing für Bibliotheken sein kann, hat Ursula Georgy aufgezeigt (Georgy, Ursula. 2010. „Verbote als Marketinginstrument in Bibliotheken.“ Bibliothek Forschung und Praxis 34, no. 3: 311-322). Ich teile die Ansicht eines Kollegen, der die Garderobenpflicht in seinem Haus aufgehoben hat: „Davon geht das Abendland nicht unter“. Ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf des Diskussionsprozesses, den Bibliotheken intern dazu durchmachen. Die von mir angestoßene  Diskussion wird intern gerade auf einer Wandzeitung geführt. Und ich hoffe – unabhängig von Ausgang der Entscheidungsfindung – dass wir über dieses Thema zu einer Diskussion über unser Bild von BenutzerInnen kommen können und unser Verständnis von einladenden Bibliotheken.

16 Antworten

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  1. Tibor Maxam said, on 9. August 2011 at 6:55 pm

    Garderobenpflicht? Haben wir nicht! Habe hier trotzdem mit Vergnügen gelesen…

  2. Dale said, on 9. August 2011 at 7:08 pm

    Du legst hier in dieser Abhandlung Deine ganze Denkweise zum Thema dar, was ich nur als musterhaft bezeichnen kann. Auch wenn man weiß, wo man hinaus will, sollte man die Schritte zeigen. Das vernachlässigen aber zuviele, also Hut ab dafür.

    Da ich Nordamerikaner bin, weißt Du schon, was ich von der Garderobenpflicht halte. Als Bibliothekar, der aber weit häufiger dt. Bibliotheken benutzt als in denen arbeitet, empfinde ich die Garderobenpflicht als eine sinnlose aber schmerzende Ohrfeige. Du hast völlig recht mit der Behauptung, die Garderobenpflicht habe wenig mit Bücherdiebstahl zu tun. Man fühlt sich als Benutzer schon von vornherein als Krimineller behandelt. Schlimmer noch, man fühlt sich gedemütgigt, und dieses Gefühl ist nur schwer abzulegen. Bloß beim Betreten einer dt. Bibliothek (übrigens: in erster Linie meine ich eine WB) wird mir schon unbehaglich, denn ich bin mir aus Erfahrung fast sicher, gegen irgendeine blöde Hausregel verstoßen zu haben. Man hört als Erstes „halt“ oder „stopp“ oder „Sie müssen doch …“ oder schlimmer. Wollen Bibliotheken nie den schlechten Ruf als altmodische Hüter nie ablegen? But I begin to rant …

    Eine andere Bemerkung: ich habe neulich das dicke Ding von Lankes für eine Fachzeitschrift rezensiert (erscheint Oktober), bin aber kaum so positiv geneigt wie Du. Ich würde gerne weiter darüber reden, und würde mich freuen, hättest Du Zeit meine Rezension zu lesen (eine Vorabversion ohne die ganzen Verkürzungen könnte ich Dir zuschicken).

  3. Ilona Munique said, on 9. August 2011 at 7:13 pm

    Das deucht mir eine spannende Verhandlung mit den Studierenden, dem Personal nebst dem inneren Schweinehund zu werden. Hoffe sehr auf einen zusammenfassenden, erhellenden Artikel, zumal ich die Wandzeitungsbeiträge leider nicht gut entziffern konnte. Ansonsten werde ich die Diskussion in Fb ganz sicher weiterverfolgen.

  4. SILen(e said, on 9. August 2011 at 7:23 pm

    Ich hab eine Garderobenpflicht immer als eine Form von Barriere gesehen, etwas was die Nutzung einer entsprechenden Bibliothek unnötig verkompliziert.

    Meine weltlichen Besitztümer (iPhone) befinden sich in einer kleinen Umhängetasche, hin und wieder kommt auch noch eine größere Tasche hinzu (iPad, Schreibkrams).

    Nehmen wir als Beispiel die SUB Hamburg.

    Ich komme rein, weiß wo ich das Buch welches ich benötige abholen kann.

    Ich suche ein freies Schließfach, muss das iPhone aus der Tasche kramen, sowas will man ja ungern einschließen.
    Quetsche meinen ganzen Kram in das Fach.
    Schließe es, denke mir nen tollen und nicht zu einfachen Pincode aus.
    Schreibe den Pincode in eine Notiz im iPhone, man will ja schließlich nicht mit gesenktem Kopf zur Theke latschen müssen um zu gestehen, dass man nicht mehr an seine Sachen rankommt.
    Man merkt sich, wo das Schließfach denn nun eigentlich ist, hinterste Reihe, zweite Reihe von unten, drittes Fach von rechts.

    Dann betritt man den Ausleihbereich, holt sich sein Buch, latscht wieder zu den Schließfächern, drängt sich an Leuten vorbei die im Weg stehen und der ganze Kram der notwendig war um die Sachen einzuschließen läuft nun rückwärts, man geht zum Fach, hat den PIN mit Glück nicht drei Sekunden nach dem Betreten der Ausleihe schon vergessen und kann ihn direkt eingeben.

    Aus dem einfachen Abholen eines vorbestellten Buches, ner Sache von (schnellen Schrittes) 3 Minuten, wird so gefühlt eine Sache von 10 Minuten.

    Das ist in Zeiten von Waren/Buchsicherung gefühlt nicht mehr zeitgemäß, in Geschäften schließt man seine Taschen ja auch nicht (gern) ein.

    Das letzte Mal als ich in einem Geschäft auf meine Taschen angesprochen wurde war ’99 in Harrods – und da war ich auch nicht begeistert, dass ich meinen Rucksack in der Hand tragen musste.

  5. Monika Lehner said, on 9. August 2011 at 7:32 pm

    Mir ist es überaus lästig, Jacke,Tasche(n) etc mitschleppen zu müssen, wenn ich den ganzen Tag in der Bibliothek bin …
    Aus der Sicht einer Nutzerin habe ich dann ein Problem mit der Garderobenpflicht, wenn die Bibliothek nichts tut, mir die Sache bequemer zu machen. In grauer Vorzeit ging ich nur mit Block und Stift in die Bibliothek, heute habe ich Handy (lautlos), Laptop & Kabel, Sicherungsseil, Stift, Block und unterlagen dabei. Wenn ich Glück habe, gibt es Plastiktüten, um meine Siebensachen zu transportieren – zumindest theoretisch, denn in der Regel sind die Tüten ein schlechter Witz.
    Dazu gehörten aber auch funktionierende, saubere Schließfächer in ausreichender Zahl. Es kann nicht sein, dass ich, wenn die Bibliothek um 9.00 öffnet, um 9.30 keinfreies Fach mehr vorfinde.

  6. Anne Christensen said, on 9. August 2011 at 10:15 pm

    @Tibor: Danke! Da sieht man mal wieder, dass wir in den WBs uns eine Scheibe von euch abschneiden können…

    @Dale: Die Formulierung „schmerzhafte und sinnlose Ohrfeige“ bringt die Sache gut auf den Punkt: Zu Lankes: Ich habe durchaus auch Kritik an seinem Werk, nicht zuletzt, weil ich mich von dem Ton manchmal gestört fühle. Deswegen und überhaup: Lass uns gern weiter drüber sprechen!

    @Ilona Munique: Die Nicht-Lesbarkeit der Wandzeitung ist absichtsvoll – es ist ja schließlich eine interne Diskussion. Von deren Ausgang ich berichten werde – danke für die gedrückten Daumen!

    @SILen(e und @Monika Lehner: Danke für eure Rückmeldungen aus Sicht von BenutzerInnen. Ich finde selbst, dass wir BibliothekarInnen uns zu selten wirklich in eure Rolle versetzen – und eure Schilderungen geben ein (im negativen Sinn) beeindruckendes Bild von den Hürden, die euch im Weg stehen.

    • Axel Halle said, on 12. August 2011 at 10:31 am

      Liebe Frau Christensen,

      ich habe Ihren sehr reflektierten und guten Text mit großer Freude und Zustimmung gelesen. Ihre Argumente und Überlegungen sind ja nicht neu und treffen voll und ganz auch auf die UB/LMB Kassel zu. Ich habe daher seit Juli diesen Jahres den Garderobenzwang abgeschafft und wir lassen auch Taschen unkontrolliert. Es hat sich sehr bewährt.

      Mit freundlichen Grüßen

      Axel Halle

  7. Klaus Graf said, on 9. August 2011 at 11:11 pm

    In kleineren Archiven wie unserem gibt es oft keine Garderobenpflicht. Als externer Nutzer hat man oft Umstände beim Besuchen fremder Bibliotheken, wenn man nicht einfach mit einem 2-Euro-Stück ein Schließfach leihen kann. Aber auch dann hole ich mir beim 8-Minuten-Anmarsch (wenn es nicht sommerlich ist) lieber den Tod als eine Jacke mitzunehmen, weil ich die dann unterbringen muss. Ich finds gut, wenn Bibliothekare ab und an auch mal ansatzweise realisieren, was Nutzer möchten.

  8. Dörte said, on 10. August 2011 at 9:05 am

    Man kann es mit der Gaderobenpflicht auch ein wenig übertreiben, was man da noch so an Hürden aufbauen kann. In Augsburg braucht man bei einigen Fächern nicht nur ein 2-Euro-Stück sondern gleich zwei davon und einen Wechselautomaten oder eine Wechselstelle dafür gibt es nicht.

    Ob Garderobenpflicht lästig ist oder nicht, kann auch eine persönliche Einstellung sein. Gehe ich nur eine schnelle Besorgung erledigen, d.h. ein Buch aus dem Bestand holen und gleich wieder verschwinden, dann kann es extrem lästig sein – gerade zu kälteren Zeiten – sich aus Mantel und Jacke zu pellen. Wir handhaben es bei mir in der Bibliothek so geregelt, dass dann, wenn es nicht zu voll ist, eine der Kolleginnen an der Theke rasch das gewünschte Buch aus dem Regal holt. Zur Abholung von Vormerkungen und Fernleihen sowie zur Rückgabe von Büchern muss niemand seine Sachen irgendwo ausziehen. Bei mehreren Büchern benötigt man länger und es kann daher sinnvoll sein, seine Jacke auszuziehen, damit man nicht zu sehr schwitzt und sich dann draußen evtl. eine Erkältung holt. Im Sommer kann man die Tasche auch mal schnell hinter der Theke deponieren, um in die Bibliothek zu gehen.

    Wenn ich länger in der Bibliothek bin, so als „Gast bei Freunden“, dann ist es doch eigentlich ganz gut, die Masse meines Zeugs einschließen zu können. Allerdings muss sichergestellt werden, dass genug Schließfächer vorhanden sind und dass sie ohne größere Hürden benutzbar sind.

    Die Diskussion um Schließfächer begleitet mich seit Jahren und nirgends wurde eine befriedigende Situation gefunden, es sei denn, die Bibliothek war so klein, dass man jeden seiner Besucher mitbekam und sie irgendwann persönlich „kannte“.

  9. hauschke said, on 10. August 2011 at 9:49 am

    Ich bin ein bißchen erstaunt. Gibt es wirklich noch so viele Bibliotheken mit Garderobenpflicht? Hier gibt es keine, und die Erfahrungen sind – zumindest aus meiner Sicht – gut. Wer will, kann seine Garderobe einschließen, solange noch Fächer frei sind. Dies wird von vielen auch gerne genutzt. Wer das nicht möchte, nimmt seine Taschen und Mäntel einfach mit hinein. Gerade Gelegenheitsnutzern, die nur mal eben reinhuschen, um ein bestimmtes Buch zu entleihen, ist das natürlich herzlich willkommen.

    Aber die hiesige Debatte erklärt, warum immer noch etliche Neunutzer fragen, ob man seine Sachen (auch Laptoptaschen!) mit hinein nehmen darf.

  10. Sandra Dahlhoff said, on 12. August 2011 at 8:26 am

    Nachdem Anne die Diskussion um die Garderobenpflicht hier in der Bibliothek auf verschiedenen Wegen vorantreibt, möchte ich meine Gedanken zu diesem Thema auch hier mitteilen. Besonders der letzte gedanke ist mir wichtig, da er nicht nur das Thema Gerderobenpflicht betrifft, sondern generell die Einstellung zu unseren KundInnen und den Umgang mit Regeln:
    Mein erster Gedanke zu dem Thema war:“ Ja, gute Idee!“ Vielleicht auch, weil ich während des Studiums die Garderobenpflicht in den verschiedenen Bibliotheken eher als lästig und kompliziert (nicht genug Schränke, Wechselgeld fehlt, PINs müssen behalten werden, lästiges Umpacken…) empfunden habe. Mir sind spontan wenig Gründe für eine Garderobenpflicht eingefallen, besonders wenn eine Buchsicherungsanlage da ist.
    In der Diskussion habe ich dann einige Argumente dafür gehört, die nicht sofort von der Hand zu weisen sind. Ich denke aber dennoch, dass eine Abschaffung der Garderobenpflicht mehr Vor- als Nachteile hat.
    Das stärkste Argument für eine Abschaffung ist nach meiner Sicht, dass es ein echter Kundenwunsch ist und es unsere Aufgabe als Bibliothek ist, es den KundInnen so leicht wie möglich zu machen, die Bibliothek zu nutzen.
    Ein häufiges Argument für die Garderobenpflicht ist, dass die NutzerInnen sich an den Arbeitsplätzen zu sehr ausbreiten könnten, sich häuslich einrichten und allgemein Unruhe durch verstärktes Suchen und Kramen entsteht. Diese Möglichkeit besteht, aber durch eine gute Zonierung und die Einrichtung einer Stillarbeitszone kann dem Bedürfnis nach ruhigen Arbeitsplätzen entsprochen werden.
    Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass viele Regeln die NutzerInnen nicht dazu bringen, sich rücksichtsvoller zu verhalten, sondern eher dazu, sich weniger Gedanken um die Bedürfnisse der anderen zu machen. Weniger Regeln lassen mehr Platz, mögliche Konflikte untereinander zu vermeiden oder zu lösen. Ein Beispiel dafür ist diese Idee des „Shared Space“ aus dem Straßenverkehr.

  11. […] Problemen im Bibliotheksalltag beschäftigt sich zur Zeit Anne Christensen und beleuchtet in ihrem Blogbeitrag das Für und Wider der Garderobenpflicht in Bibliotheken. Überwiegt wirklich der Nutzen oder doch […]

  12. Anonym said, on 7. September 2011 at 11:06 am

    Sie sprechen mir wirklich aus dem Herzen! Ich kenne die Erfahrung mit den „internen Widerständen“. Es gibt (ältere) Kollegen und Kolleginnen für die die Garderobenpflicht sowas wie ein Heiliger Gral ist – sozusagen die letzte Bastion aus der guten, alten Zeit. Die BenutzerInnen werden oft noch als potentielle Feinde und Übeltäter begriffen, die es abzuwehren gilt. Das sagt natürlich niemand – aber es wird so gelebt! Mir scheint die öffentliche Selbstdarstellung (Bibliotheken sind freie Orte der Bildung, die öffentlich und niederschwellig für alle zugängig sind) und das tatsächliche Prozedere oft so weit auseinander. Und ja: es gibt tatsächlich BenutzerInnen, die mit den Worten: „Mir ist das alles zu blöd – ich wollte doch nur ein Buch.“ auf der Schwelle umdrehen und auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

  13. […] 5.9.2011) Christensen, Anne: Garderobenpflicht: Haltung zeigen. In: A Growing Organism 9.8.2011 https://xenzen.wordpress.com/2011/08/09/garderobenpflicht-haltung-zeigen/ (Abrufdatum 5.9.2011) Circle, Alison: Marketing Trends to Watch. In: Library Journal (2009), Nr. […]

  14. […] gibt, die es erlauben. Als Anne Christensen diese Themen vor einiger Zeit schon einmal in ihrem Blog angesprochen hat, ist mir bei der Diskussion des Themas in der Bibliothek die Verbindung zum […]

  15. henryvonkleist said, on 14. Juni 2013 at 6:07 pm

    Bin grade zufällig auf diesen älteren Beitrag gestoßen und muss leider feststellen dass er noch immer aktuell ist. Ich war in dem Seminar von Frau Prof. Georgy in dem wir das Thema der Verbotsbeschilderung behandelt haben und wünschte nun wir hätten uns mit dem Garderobengebot ebenfalls befasst.
    Ich nutze die Arbeitsplätze in der Bibliothek der FH-Köln noch oft und sehe mich immer wieder gezwungen die Nutzungsordnung zu unterlaufen aufgrund der unsinnigen Verbote.


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