A growing organism

Studie mit Gewicht zu neuen Katalogen, und ein paar Gedanken zu deren Akzeptanz

Posted in Kataloge et. al. by Anne Christensen on 11. November 2011

Auf der Verbundkonferenz des GBV im September war ich persönlich etwas enttäuscht von den Ergebnissen der Evaluation von EDS und TouchPoint durch NutzerInnen der UB Weimar: Gerade mal 56 Personen waren befragt worden, und das traurige Endergebnis eines Entscheidungsfindungsprozesses, auf den viele im Verbund mit Neugier geblickt hatten, ist: Es bleibt alles beim alten, die Investition in einen besseren Katalog wird verschoben.

Umso interessanter, nun im aktuellen ABI-Technik-Heft die Ergebnisse einer Studie aus dem HeBis-Verbund zu lesen: „Unser Katalog soll besser werden!“ heißt der Artikel von Heike Nienerza, Bettina Sunckel und Berthold Maier (ABI-Technik 31 (2011) 3, S. 130-149). Gewicht hat dieser Beitrag zur Portal-Diskussion allein schon deswegen, weil hier endlich mal eine kritische Masse an NutzerInnen befragt wurde, nämlich 23.757. Im HeBis-Verbund haben die zehn Bibliotheken neben dem herkömmlichen OPAC auch noch ein Portal im Angebot, das auf Sisis Elektra basiert – also technisch eine ähnliche (Metasuch-)Basis hat wie TouchPoint und damit etwas grundsätzlich anderes darstellt als Lösungen wie Summon, Primo, EDS und Co. mit einem vereinheitlichten Index, wie ich ja nicht müde werde zu betonen.

Die Ergebnisse der Studie kamen mir in weiten Teilen ziemlich vertraut vor – bei den beluga-Forschungen gab es sehr ähnliche Ergebnisse:  Kataloganreicherung durch Inhaltsverzeichnisse ist ein hoch-relevantes Feature, Anbindung an soziale Netzwerke und auch Literaturverwaltungsprogramme spielt eher eine untergeordnete Rolle, viel mehr Arbeit sollte in die Unterstützung der BenutzerInnen bei der Formulierung von Suchanfragen fließen (automatisches Vervollständigen, Rechtschreibprüfung), in bessere Rankings (Hallo, Lieblingsthema!) und in das Aufzeigen von Wegen vom Nachweis zum Text. Schönes Zitat aus dem Aufsatz: „Nichts ist den Katalognutzern wichtiger als Medienverfügbarkeit“. Oliver Goldschmidt hat gerade dieser Tage auf Plan3t.info eine gute Zusammenfassung vom diesbezüglichen Leistungsumfang der gängigen Portal- und Discovery-Lösungen geliefert.

Ein Aspekt aus der HeBis-Studie scheint mir besonders erwähnenswert: Die befragten NutzerInnen waren im der Mehrheit besser mit dem herkömmlichen Katalog vertraut als mit dem neuen Portal, wobei es offenbar signifikante Unterschiede zwischen Studierenden der Semester 1-8 und fortgeschrittenen Studierenden bzw. WissenschaftlerInnen gab – letztere hatten weitaus häufiger das Portal weitaus häufiger benutzt. Das finde ich interessant, weil ich eigentlich der Meinung bin, dass sich ein Portal oder eine Discovery-Lösung immer in erster Linie an die Bachelor-Studierenden richten sollte. Die haben wenig Zeit fürs Suchen lernen und Bestellen, brauchen schnell wichtige Einführungen und zentrale Texte in elektronischer Form. Wer länger an einem Thema forscht, ist vielleicht mit den nativen Oberflächen von MLA, Psyndex und Co. besser bedient, weil es dort spezifischere Suchmöglichkeiten gibt als in den Portalen, und man kann vielleicht auch eher in Kauf nehmen, mal 2-3 Wochen auf eine Fernleihbestellung zu warten.

Eine Untersuchung, die mich interessieren würde, ist die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Akzeptanz der Portale durch NutzerInnen und der internen Akzeptanz gibt. Ich habe den Eindruck, dass die Portale oder Discovery-Lösungen in den Bibliotheken selbst jeweils nicht besonders beliebt sind.  Das liegt sicherlich zu einem Großteil daran, dass wir die herkömmlichen Kataloge mit allen Finessen zu benutzen wissen, wohingegen uns die neuen Lösungen oftmals Rätselfalten auf die Stirn zaubern („Wieso habe ich hier jetzt nur X und dort Y Treffer? Wie ist das eigentlich sortiert…“).  Aber ich glaube auch, dass viele von uns das Thema ziemlich stresst: Wir haben kapiert, dass der alte Katalog besser werden muss, aber vor den neuen Lösungen sitzen wir manchmal ein wenig wie das Kaninchen vor der Schlange. Ich würde gerne wissen, wie viele Bibliotheken mit einer „neuen“ Kataloglösung eine Regelung haben, dass diese neue Lösung standardmäßig in Auskunftsgesprächen genutzt werden sollte.  Ich habe hier viel Zögerlichkeit erlebt, was vielleicht beweist, dass der herkömmliche Katalog eher ein Instrument von BibliothekarInnen für BibliothekarInnen ist und die neuen Kataloge eben mit jenem Paradigma aufräumen wollen. Neue Kataloge sind für Laien gedacht – wie gesagt denke ich persönlich sogar: für Total-Laien, denn ich sehe in den jüngeren Studierenden die Hauptzielgruppe. Bei der Bewertung der Funktionen sollte das eine Rolle spielen – wenn es irgendwie geht, sollte man sich also die Laien-Brille aufsetzen und dann mal schauen, ob sich das Herz für eine der neuen Lösungen erwärmen kann. Denn wirklich gut verkaufen werden wir die auch nur dann können, wenn wir selber ein wenig Leidenschaft dafür entwickeln.

2 Antworten

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  1. […] Hebis-Verbund hatte eine Studie zum herkömmlichen Katalog und zum Portal durchgeführt, die sich Anne Christensen genauer angesehen hat. Wichtig für die Nutzer sind auch Verfügbarkeitschecks. Dazu gab es einen […]

  2. CH said, on 14. November 2011 at 5:25 pm

    Grundsätzlich sollte hier wie auch anderswo gelten: Eat your own dogfood.. Wer also seinen Nutzern einen Katalog anbietet, ihn aber selbst nicht nutzt, kann ja offensichtlich nicht so viel davon halten. Zumindest für die Auskunftssituation ist das doch selbstverständlich, oder?

    Ich kann ja schlecht in der WinIWB recherchieren und den Nutzern dann einen PICA-Datensalat präsentieren mit den Worten: „Und so einfach könnten Sie das auch finden, wenn Sie sich ein paar Monate mit diesem Programm rumgeschlagen hätten und auch noch Zugang zu unserem Lokalsystem bekämen.“

    Ähnlich sehe ich es beim Umgang mit verschiedenen Katalogoberflächen. Ein Katalog für alle. Der „alte Katalog“ kann dann ja im stillen Kämmerlein genutzt werden, wenn sich manches mit der Discoverylösung vielleicht tatsächlich nicht machen lässt.


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