A growing organism

Discovery 2015: Von Monopolen, Egoismus, vuFind und mehr

Posted in Kataloge et. al. by Anne Christensen on 2. Dezember 2015

Ein interessantes Jahr für das Thema Discovery geht zu Ende – eine Zusammenfassung in fünf Schlaglichtern:

  1. Monopole wachsen, offene Lösungen auch

Der Markt an kommerziellen Discovery-Lösungen konsolidiert sich: ProQuest schluckt ExLibris, und auch wenn Primo und Summon zunächst noch friedlich koexistieren sollen, wird angesichts dieser und anderer Übernahmen im bibliothekarischen IT-Markt deutlich, dass sich der Preis für Unabhängigkeit in Form von offenen Lösungen lohnen könnte. Mein Discovery-Oscar für 2015 geht vor diesem Hintergrund ganz klar an den Artikelindex des finc-Projektes – großer Applaus!

2. Egoismus ist gut

Ich erlaube mir, etwas weiter auszuholen: Es begab sich ca. 2007, die Idee zu beluga an der SUB Hamburg war gerade geboren und Kollege M.  installierte testweise „dieses vuFind-Ding“. Das ging recht schnell und problemlos,  aber es sprachen dennoch viele Gründe dafür, eine bestehende Eigenentwicklung, die im Kontext virtueller Fachbibliotheken entstanden war, zum Einsammeln und Verwalten von Metadaten bei beluga zu nutzen: Man hatte das nötige Know-How und wusste nicht recht, wie es mit diesem „vuFind-Ding“ weitergehen würde. Und tatsächlich konnten wir in dieser Frühphase des bibliothekarischen Discovery-Zeitalters unsere ganz eigenen Vorstellungen und vor allem die entstehenden Anforderungen in Eigenregie und also ohne Zuwarten auf eine unberechenbare vuFind-Community umsetzen.  Freiheit und Unabhängigkeit sind hohe Güter und erlaubten uns damals, eigene Schwerpunkte zu setzen.

Eine ungefähr ähnliche Motivation dürfte das Team um Gerald Steilen dazu angetrieben haben, in diesem Jahr eine selbst entwickelte Discovery-Lösung  – als Prototyp vorgestellt in diesen Präsentationsfolien, S. 37 ff. [Link korrigiert nach Anmerkung in den Kommentaren, 3.12.2015] – auf die Beine zu stellen. Wenn man schnell vorankommen will und eine starke eigene Vision hat, ist das eine Entscheidung, die egoistische Züge trägt, aber durchaus nachvollziehbar ist. Und tatsächlich ist der neue Prototyp hübsch anzuschauen und angenehm effizient gestaltet. Ich habe also durchaus Sympathien für solche „Alleingänge“ – in der Tat wurde mir selbst kürzlich vorgehalten, mit beluga oder auch der BibApp solche „Alleingänge“ durchgeführt und damit Egoismus an den Tag gelegt zu haben. Mit dem Vorwurf kann ich deswegen leben, weil ich weiß, dass beide Entwicklungen letztlich nicht nur den Bibliotheken genützt haben, an denen ich sie entwickelt habe, sondern auch viele andere direkt oder indirekt profitiert haben. Insofern: Egoismus ist gut.

3. Egoismus ist schlecht

Wieder kurz zurück zu der beluga-Geschichte: Nach Ende der Projektförderung stellte sich heraus, dass sich die Eigenentwicklung nicht unter den normalen Bedingungen weiter pflegen ließ, und so tauschte man den Motor aus – gegen eben jenes „vuFind-Ding“, was sich indessen bekanntermaßen zu einer weltweit genutzte Lösung gemausert hatte und gemeinschaftlich gepflegt und weiter entwickelt wird. Diese Gemeinschaftlichkeit ist ein Vorteil, wurde in den Augen des Teams aus der Göttinger Verbundzentrale zu einem Hemmschuh, u.a. weil das System zu kompliziert geworden sei und die resultierende Behäbigkeit den Umstieg auf zeitgemäße Bauteile schwer mache. Oliver Goldschmidt von der TU Hamburg-Harburg die Kritik von Gerald Steilen detailliert widerlegt, und auch bei beluga und an der Bibliothek der Hochschule Hannover setzt man weiterhin auf vuFind.

Aus meiner eigenen Erfahrung mit beluga würde ich ergänzen wollen, dass man mit Eigenentwicklungen schnelle Erfolge erzielen kann – wie nachhaltig diese sind, wird sich herausstellen, aber ich bin diesbezüglich besorgt. Bedauert habe ich auch, dass der Richtungswechsel bei der Discovery-Strategie nicht früher und breiter kommuniziert wurde – wenngleich ich den Wunsch, diesen Wechsel gleich mit der Vorstellung von etwas durchaus Vorzeigbarem zu verbinden, verstehen kann.  Wenn man aber „die Zielgruppe mitnehmen“ will, dann ist es unschön, diese überfallartig damit zu konfrontieren, dass das Pferd, auf das man jahrelang gesetzt hat, jetzt abgehalftert wird. Und ein wenig hatte ich bei der Lektüre der Folien zur Vorstellung der Eigenentwicklung auch den Eindruck, als habe man das Haar in der vuFind-Suppe unbedingt finden wollen. Wie kürzlich im beluga-Blog zu lesen war, setzen wir an der UB Lüneburg künftig auf vuFind (& die API von Summon). Die drastische Einschätzung zur Brauchbarkeit von vuFind kann ich nicht teilen, sondern glaube aus Erfahrung mit Entwicklung und Betrieb von Discovery-Systemen, dass die gemeinschaftliche Nutzung und Weiterentwicklung der Open-Source-Lösung vuFind der derzeit beste Weg ist. Alleingänge in Form von Eigenentwicklungen kann man sich leisten, aber es ist schade, dass ausgerechnet eine Verbundzentrale sich von dem Prinzip der gemeinschaftlichen Entwicklung trennt.

4. Discovery erzeugt „kognitive Dissonanzen“

Der Richtungswechsel der VZG hat meiner Einschätzung nach ziemlich viele Leute verwirrt – zumindest wenn ich meine Gespräche und Telefonate aus den letzten Wochen dazu Revue passieren lasse. Das ist deswegen schlecht, weil das Thema Discovery ohnehin verwirrend ist: Einerseits wissen oder ahnen wir, dass wir in Discovery investieren sollten, weil Katalog bzw. das traditionelle Ökosystem aus Katalogen und Datenbanken nicht mehr taugen, andererseits wissen wir auch, dass Discovery, so wie wir es jetzt kennen, nicht die abschließende Antwort ist, müssen aber gleichzeitig viel Geld und Aufwand hineinstecken, um uns dann wieder kurz über gestiegene Nutzungszahlen der E-Ressourcen zu freuen, bis uns dann wieder eine Studie sagt, dass sowieso alle bei Google Scholar anfangen… Um halbwegs ernsthaft eine Discovery-System zu betreiben, muss man sich damit anfreunden, dass die Lösung nicht perfekt ist. In der Folge muss man mit den Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit umgehen: sie frustriert ertragen, rechtfertigen, mit Engagement verbessern und uns immer wieder fragen, ob das alles richtig war oder ob man lieber noch mal neu anfangen sollte.  Zur Selbsthilfe und Erbauung: „Warum wir uns die Welt schönreden: Wie kognitive Dissonanz unser Leben bestimmt“.

5. Zu wenig Leute denken mit, und echte Probleme bleiben ungelöst

Die Beteiligung von KollegInnen aus Erwerbungs- und Katalogisierungsabteilungen an Discovery-Projekten ist nach wie vor zu gering, was u.a. auch zu der fehlenden Identifikation mit den Discovery-Systemen führt. Die Einführung eines Discovery-Systems hat aber durchaus das Potenzial, einen Beitrag zur Organisationsentwicklung einer Bibliothek zu leisten. Mehr dazu? Daniel Forsman, Bibliotheksdirektor der schwedischen Chalmers University, hat seine vormalige Katalogabteilung zu „Discovery and Delivery“ weiterentwickelt und berichtet darüber in „Introducing agile principles and management to a library organization“.

Ich hätte Spaß daran, gemeinsam mit interessierten KatalogisiererInnen mal darüber nachzudenken, wie wir es schaffen können, dass Discovery-Systeme bessere Beiträge dazu leisten, die wirklichen Probleme von NutzerInnen zu lösen, also Use Cases zu lösem wie diese hier: „Ich hätte gern einen Übersichtsartikel zu Thema XY?“ oder „Welches Werk darf ich nicht vergessen, weil er quasi das Standardwerk ist?“. Eine schöne Übersicht über verschiedene Suchszenarien gibt es in der Präsentation „Designing the Next Generation of Search User Experience“. Mit Spannung wird zu erwarten sein, was ein Projekt wie LibRank bringt, das Kriterien wie Ausleihzahlen in die Ranking-Algorithmen einbeziehen will. Auch die diversen Altmetrics-Dienste haben irgendwie noch zu wenig mit Discovery zu tun – vielleicht bringt 2016 da Neues? Auf jeden Fall ist das Potenzial von Discovery-Systemen noch lange nicht ausgereizt, man denke nur an die in der Regel fehlenden bzw. nicht clever genug eingebundenen Normdaten. Vor ein paar Jahren haben wir angefangen, nach Bereitstellung der Daten als Linked Data zu rufen. Seit ein paar weniger Jahren stehen zumindest die DNB-Daten bereit, aber wirklich Nützliches  im Sinne von den genannten und anderen Use Cases passiert damit in den Discovery-Systemen bislang nicht. Mehr Pessimismus zu Linked Data gibt es bei Jonathan Rochkind in dem Artikel „Linked Data Caution“ .

Und was kommt 2016, jetzt mal neben beluga 3.1? Auf Verbundebene hoffentlich erstmal die Erhebung von Schnittstellen wie DAIA und PAIA zu Standardleistungen des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (scnr). Und dann vielleicht eine hübsche Unterarbeitsgruppe zum Thema Discovery?

15 Antworten

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  1. Dale said, on 2. Dezember 2015 at 7:24 pm

    Wie immer, sachlich und aus der nordamerikanischen Perspektive gut nachvollziehbar. Wir sind auch VF-Bibliothek, also kenne ich allzugut, das von vielen gerne gespielte „Haar in der Suppe finden“ Spiel.

    • ออยเลนชปีเกล said, on 3. Dezember 2015 at 11:45 am

      Ärgerlich wird das Spiel mit den Haaren vor allem, wenn ein Koch ins Restaurant geht, eine Suppe bestellt, sich nach dem Servieren am Tisch die Haare schneiden lässt, dann ohne zu zahlen rausgeht und Plakate ans Restaurant klebt, die vor Haaren in der Suppe warnen.

  2. Beate Rajski said, on 2. Dezember 2015 at 11:38 pm

    Die fehlende Kommunikation durch die VZG im Vorfeld ist bedauerlich. Wobei es auch wahr ist, dass eine neue schöne Lösung das Argumentieren einfacher macht. Aber eigentlich geht es doch um unsere Ressourcen. ExLibris rollt mit Alma den Markt auf. Bibliotheken weltweit feiern, dass ihre exzellente Arbeit durch das exzellente Alma noch besser wird. Und dann geht aus Synergiegründen das bisherige Discovery so vorhanden über Bord. Häufig genug war es VuFind wie an der HWTK oder in Wales. Primo an sich wird dabei nicht unbedingt als das bessere Discovery wahrgenommen sondern als das integriertere. Und die Hoffnung, dass andere sich darum kümmern, dass es nicht zu einer Monopolstellung von ExLibris kommt, wird durchaus offen formuliert. Noch gehören gerade die Bibliotheken im GBV zu den „anderen“ und evaluieren mit viel Aufwand Open Source Lösungen wie Kuali, KB+ und ein bisschen auch Koha. Muss es in diesem schwierigen Umfeld dann auch noch zu einer Aufsplittung der Ressourcen bei Open Source Discovery kommen?

    • Anne Christensen said, on 4. Dezember 2015 at 10:14 am

      In einer frühen Fassung des Beitrags hatte ich auch noch das ganze IlS-Thema mit drin, aber es wurde dann ein zu weites Feld. Umso dankbarer bin ich für deine Ergänzung, Beate. Ich denke auch, dass „integrierte“ Lösungen immer als sympathischer wahrgenommen werden, so wie man halt auch 3-in-1-Jacken für eine gute Lösung hält. Zur Vermeidung von Monopolismus braucht es Bibliotheken, die sorgfältig testen, aussagekräftig darüber berichten (so wie ihr in Harburg über Koha) und vor allem mit größtmöglicher Gelassenheit aushalten, dass es die perfekte Abbildung des alten Zustandes (egal ob bei Erwerbungsmodul oder Katalog) plus glänzenden neuen Funktionen derzeit nicht gibt, ohne dass man dazu entweder selbst etwas dazu beitragen oder einzelne Funktionen neu denken muss.

  3. ออยเลนชปีเกล said, on 3. Dezember 2015 at 12:01 pm

    Vielleicht verstehe ich den Satz „Eine ungefähr ähnliche Motivation dürfte das Team um Gerald Steilen dazu angetrieben haben, in diesem Jahr eine selbst entwickelte Discovery-Lösung – als Prototyp: UBfind an der UB Magdeburg – auf die Beine zu stellen.“ falsch? Aber zur Klarstellung: UBfind der UB Magdeburg unter https://ubfind.ovgu.de/ ist ein VuFind 1. Es ist *NICHT* ein Prototyp einer neuen „Discovery-Lösung“ der Verbundzentrale. Diese gibt es meines Wissens noch nirgends öffentlich zu sehen.

    • Anne Christensen said, on 3. Dezember 2015 at 1:38 pm

      Liebe/-r Thai-Afficionado, danke für den Hinweis, ich habe das im Artikel korrigiert.Die Metapher aus dem Kommentar mit dem Haar in der Suppe verstehe ich noch nicht ganz, aber ich werde es versuchen.

  4. Philipp Zumstein said, on 3. Dezember 2015 at 11:09 pm

    Die Entwicklung beim VZG Discovery sind interessant und dank der offenen Protokolle oder diesen Artikel hier kann ich dies auch als Außenstehenden etwas beobachten. Die Kernfrage ist für mich: Wieso hat die VZG entschieden, ein Discovery System im Alleingang zu machen und sich dabei von der Beteiligung am VuFind-Projekt getrennt?

    * Es werden immer technische Probleme mit VuFind genannt, aber dafür gibt es normalerweise auch technische Lösungen und somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Entwickler sich daran macht und es eine Lösung gibt. Natürlich kann eine Diskussion über Neuerungen Zeit und Arbeit bedeuten, wobei mögliche Schwierigkeiten dabei zumindest im offiziellen Protokoll nicht erwähnt wurden.

    * Viel relevanter könnte die Flexibilität bzw. „Freiheit und Unabhängigkeit“ sein. Bei eigenen Lösungen ist man natürlich frei und unabhängig und kann die gewünschten Anforderungen auch flexibel anpassen. Diese Anpassungen muss man aber alle selbst machen, da man ja allein ist.

    * Auch frage ich mich, ob man bei der VZG Discovery Lösung wirklich an einer kollaborativen Open Source Entwicklung (*) interessiert ist. Momentan lese ich eher, dass die VZG alleine entwickelt und dann anschließend den Code auf github ablegt: „Der Quellcode wird bei github, voraussichtlich unter AGPL bereitgestellt werden“. Dies ist aber etwas schade und keine offene Entwicklung sondern nur die Offenlegung (inklusive offener Lizenz) des Quellcodes. Bei vielen erfolgreichen Open Source Projekten wird möglichst früh und möglichst viel offen gelegt: offene Issues, Bugs, Feature Requests, Dokumentation zum Installieren bzw. für Entwickler, offene Meilensteinplanung etc. Ob dies hier dann noch alles kommt, wenn die Software „fertig“ ist, bleibt abzuwarten.

    (*) Open Source Entwicklung ist für mich mehr als Software unter einer offenen Lizenz bereitstellen.

    • Anne Christensen said, on 4. Dezember 2015 at 10:30 am

      Dem Wunsch, dass über Offenlegung hinaus noch mehr Offenheit kommt, schließe ich mich an, Philipp! Beim Lesen des Kommentars musste ich daran denken, dass die VZG es immer als besonders hohes Gut herausgestellt hat, dass die Verträge mit PICA eine Übernahme des Quellcodes zumindest theoretisch möglich machen würden und man auf diese Weise in einem Ernstfall Unabhängigkeit zurückerlangen könnte (ungefähre Wiedergabe meines persönlichen Verständnisses der Sachlage). Wirkliche Offenheit und gemeinschaftliche Entwicklung sind aber noch eine andere Qualität, von der man sich bei zahlreichen lebendigen OpenSource-Projekten, u.a. vuFind, überzeugen kann. Ich bin aber sicher, dass die Discovery-Abteilung in der VZG das klar hat.

  5. Regine Beckmann said, on 4. Dezember 2015 at 5:17 pm

    Mal unabhängig von der Diskussion rund VU Find und weitere Entwicklungen möchte ich eine andere wichtige Anregung unterstützen, die du gibst: Die stärkere Einbindung der Erwerbungs- und Katalogisierungsabteilungen. Ich halte ebenso die Einbindung der Kolleginnen und Kollegen der Inhaltserschließung für hilfreich und nötig. An Lösungsszenarien solcher Use Cases hätte ich übrigens auch selber großes Interesse – und Spaß! In der FAG Erschließung und Informationsvermittlung des GBV stehen ja die Discovery Systeme aktuell auf der Agenda, wie auf der letzten Verbundkonferenz berichtet. Im Moment mit dem Fokus der Empfehlungen für Bibliotheken, die ein DS einführen wollen. Wären die Themen aus deinem Beitrag aus deiner Sicht hier gut anzusiedeln?

    • Anne Christensen said, on 7. Dezember 2015 at 9:55 am

      Liebe Regine, in der ersten Phase von beluga gab es eine „AG Thematische Recherche“ mit KollegInnen aus der Inhaltserschließung. Das war an sich sinnvoll, jedoch würde ich, wenn ich das noch mal machen sollte, den Arbeitsauftrag einer solchen AG genau formulieren: Es muss darum gehen, wie das DS die typischen „Use Cases“ (siehe verlinkte Präsentation im Beitrag) unterstützt und nicht darum, wie man dem DS die Funktionen des klassischen Katalogs verpasst. Also bibliothekarisches Know-How ja, aber bitte um echte Probleme echter NutzerInnen zu lösen.

      Was die „Betreuung“ des Themas in den GBV-Strukturen angeht, so bin ich tatsächlich skeptisch, ob es in *eine* AG passt. Das Thema hat neben den Erschließungs- und Vermittlungsaspekten auch viel mit lokalen Systemen zu tun (siehe Kommentar von Beate Rajski), insbesondere mit der offenen Frage nach dem Management von E-Ressourcen. Und dann natürlich auch technische Aspekte. Ich hielte eine eigene AG derzeit nicht für überdimensioniert, zumal sie ja, viel viele UAGs in der Vergangenheit offenbar auch, temporäreren Charakter haben könnte.

  6. Günter Hipler said, on 7. Dezember 2015 at 10:25 am

    Hallo,
    hatte eigentlich nicht vor, mich direkt und und vor allem schriftlich in die Diskussion um VuFind beim VZG „einzumischen“. Ein paar Gründe dies an dieser Stelle möglichst kurz doch zu durchbrechen:
    – Ich finde der Blogbeitrag von Anne Christensen stimmt mit meiner Position recht gut überein
    – Obwohl im tiefen Süden und jenseits der deutschen Landesgrenzen, ist auch mir die Diskussion zu diesem Thema nicht verborgen geblieben
    – Gerald referenziert meine Präsentation an der VuFind Anwenderkonferenz doch recht prominent in seinen Beiträgen. Das finde ich, sagen wir mal so, etwas unglücklich. Den Link von Anne Christensen auf eine Foliensammlung hatte ich noch nicht gesehen, auch dort fand ich mich zitiert, das gab dann den letzten Impuls zu diesem Blogbeitrag.

    Warum meine Präsentation in Konstanz
    – Wir betreiben mit http://www.swissbib.ch eine Präsentationskomponente auf Basis von VuFind 2
    – Dies machen wir schon seit geraumer Zeit, weswegen wir einige Erfahrungen mit dieser Basis sammeln konnten
    – sammelt man Erfahrungen, sollte man IMHO nach einer gewissen Zeit auch über die lessons learned nachdenken
    – Ja, ich erkenne aktuell gewisse Schwachpunkte, Möglichkeiten zur Verbesserung und ich habe Vorstellungen, in welche Richtung man die Lösung weiterentwickeln sollte. Auf diese Punkte habe ich in meiner Präsentation in Konstanz hingeweisen – verbunden mit einer Reihe von konkreten Anmerkungen, was man konkret tuen könnte und der Hoffnung, Mitstreiter zu finden, mit denen ich über meine Vorstellungen diskutieren kann.
    – Ich habe mich in Konstanz darüber gefreut, dass diese Ideen von recht vielen positiv aufgenommen worden sind.
    – Um das ganze noch ein wenig zu streuen, habe ich den Vortrag übersetzt und in die VuFind Summit eingebracht.
    – Stimme deshalb dem Satz von Phillip Zumstein zu: „aber dafür gibt es normalerweise auch technische Lösungen und somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Entwickler sich daran macht und es eine Lösung gibt.“
    – Leider finde ich diesen Gedanken in den Folien von Gerald nicht. Gerald und ich haben also ähnliche Analysen, ziehen aber zu grossen Teilen unterschiedliche Schlüsse.

    Ganz zum Schluss noch: auch das kam mir bei der Erwähnung meiner Präsentation im hohen Norden doch ein wenig zu kurz: Ich bin persönlich relativ zufrieden mit der Präsentationskompomponente http://www.swissbib.ch, auch zu diesem Gedanken gibt es slides in meiner Präsentation.

    Ciao
    Günter

    • Anne Christensen said, on 7. Dezember 2015 at 3:39 pm

      Vielen Dank für das Einmischen, Günter Hipler! Eine willkommene Gelegenheit, auf die vielen interessanten Vorträge vom vuFind-Anwendertreffen in Konstanz hinzuweisen: http://www.bsz-bw.de/bibliothekssysteme/vufind/2015.html. Auf der InetBib-Tagung Anfang 2016 wird vuFind ja auch in zwei Vorträgen behandelt werden – noch ein Beweis für eine lebhafte Anwendercommunity mit guten Ideen.

    • Elmar said, on 7. Dezember 2015 at 8:36 pm

      Hallo zusammen!
      Mit dem Thema Discovery Service beschäftigen wir uns in der FAG EI des GBV eigentlich seit längerer Zeit. In Bremen schon mehr als 10 Jahre, und wir müssen feststellen, dass Discovery Services (DS) ein schwieriges Thema für Verbundzentralen darstellen.
      DS haben schwerpunktmäßig einen starken lokalen Bezug, daher sind die Entscheidungs- und Ausgestaltungskriterien bei den einzelnen Institutionen oft unterschiedlich. Dies bedingt, dass der Aufwand für die Konfigurationen im Frontendbereich bei gehosteten Fällen doch recht hoch ist.
      Daher ist die Entscheidung der Verbundzentrale in gewisser Weise nachvollziehbar.
      Nach wie vor bleiben die Solr-Indices kostenlos nutzbar, somit sind VuFind-Lösungen vor Ort immer noch realisierbar….

      Was aber allen gemeinsam ist: Der Umgang mit Katalogisierungs- und Erschließungsdaten beeinflusst unmittelbar die Qualität der Ergebnisse. Und da müssen wir aufpassen, dass keine Entscheidungen gefällt werden, die eine Nutzung durch DS-Systeme unmöglich machen. Die Nutzung von Normdaten war bislang wegen der Relationsbeziehungen nicht ohne weiteres möglich. Normdaten sind jedoch sehr hilfreich bei Nutzersuchen und sollten intuitiv mitberücksichtigt werden.
      Und genau hier möchten wir als FAG EI tätig sein und Nutzersuchgewohnheiten im Auge behalten….

      • Anne Christensen said, on 8. Dezember 2015 at 1:10 pm

        Lieber Elmar, ich wollte nicht in Abrede gestellt haben, dass sich die bestehenden FAGs nicht ausreichend um das Thema kümmern! Ich denke nur, dass das Thema so viele Aspekte hat, die oftmals ineinander greifen, so dass der jeweils spezielle Blickwinkel einer FAG allein für eine umfassende Betrachtung nicht ausreichen könnte – Normdaten-Integration oder Facettierung sind da gute Beispiele. Es gab irgendwann mal in der VZG eine Art kleines Anwendertreffen für den SOLR-Index – das könnte man ja vielleicht wieder aufleben lassen. Aber ist auch nur eine Idee – ich bin jedenfalls schon mal gespannt auf die Empfehlungen aus der FAG Erschließung und Informationsvermittlung! Werdet ihr auch Formalerschließungs-Aspekte (Pflege der Wissensbasen von DS bzw. Zusammenspiel mit Link Resolvern, LBS und ERM-Systemen) sowie das Thema Informationsvermittlung berücksichtigen oder konzentriert ihr euch auf die inhaltserschließenden Daten?

      • Anne Christensen said, on 8. Dezember 2015 at 1:32 pm

        Noch zwei Ergänzungen: Zur Normdaten-Frage hat sich Till Kinstler drüben bei beluga geäußert. Und als potenzielles Diskussionsthema auf Verbund-Ebene möchte ich auch noch Erwerbungsentscheidungen mit Blick auf Discovery vorschlagen, sprich: Bei der Lizenzierung von E-Content darauf achten (oder die Entscheidungen gar davon abhängig machen), ob man möglichst reiche Metadaten/Volltexte usw. im Discovery-System indexieren kann. Daran wiederum hängen dann Fragen der Nutzungsmessung (interessanter Artikel zum Einfluss von DS auf E-Journal-Nutzung) und der Best Practice für die Darstellung von bibliografischen Daten einschließlich der dazu gehörigen Beschaffungswege.


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